Ich werde dieses deutsche Internet nicht kaufen, denn es ist zerkratzt

Aus gegebenem Anlass möchte ich an dieser Stelle etwas ausführlicher auf einige Hintergründe hinweisen und kommentieren, die ich in einer Twitter Diskussion heute Morgen auch angebracht habe, die für das Verständnis der Lex Telekom ggf. hilfreich sein können.

Die Verquickung von Netz- und Dienstbetreibern

Ähnlich wie bei der Energieversorgung und der Bahn, haben wir bei den TelKos eine Situation, dass das Netz einem oder wenigen Konzernen gehört, die gleichzeitig dann auch noch Dienstanbieter auf diesen Netzen sind.  Dies führt dann leider in allen Fällen zu mono-, oder oligopolen Strukturen auf Seiten der Dienstanbieter.

Kabelverzweiger (KVZ alter und neuer Bauart)
Links ein KVz-Gehäuse mit eingebautem Breitbandkabelverstärker (Lüftungsschlitze im Sockel), rechts ein KVz-Gehäuse alter Bauart (KVz-Gehäuse 59) (by wikimedia)

Kurzer Technikexkurs und die Teilnehmeranschlussleitung

Die Teilnehmeranschlussleitungen (TAL oder auch oft “letzte Meile”) ist das Kabel das von  den Hausanschlüssen (APLs) zu den Kabelverzweiger (KVz – die grauen Kisten an der Straße) geht.

Im klassischem Fall befindet sich im KVz keine “aktive” Technik, sondern dort werden nur Kabel miteinander verbunden und die Haushalte am Ende an die Orts-Vermittlungsstelle angeschlossen. Dort befindet sich dann im DSL Fall die Gegenstelle Eures DSL Modems, die s.g. DSLAMs (Digital Subscriber Line Access Multiplexer). Bei DSL hängt die maximale Bandbreite von der Länge der Leitung zwischen dem DSL Modem und dem DSLAM ab.

VDSL ist technisch im Prinzip das Selbe wie “normales” DSL. Hier wird nur der Trick gemacht, dass die DSLAMs nicht mehr in der Ortsvermittlung stehen, sondern in den KVzs verbaut werden, wodurch die Leitung zum DSL Modem des Kunden deutlich kürzer wird und höhere Datenraten möglich werden. Allerdings erfordert dies “aktive Komponenten” in den KVz. Sie benötigen daher zusätzlich noch eine Stromversorgung, was natürlich aufwendiger (und auch teurer) ist, weil ein Stromkabel hingelegt werden muss und nicht nur einfach ein Schrank mit Klemmleisten aufgestellt werden kann.

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte dem lege ich “CRE 191 – Internet im Festnetz” sehr ans Herz.

Festnetzstruktur
Struktur des Festnetz (by wikimedia)

Das Telekom Monopol über die TALs

Mit der Privatisierung der Telekom ist das über Jahrzehnte aus Steuergeldern aufgebaute Festnetz an die privatwirtschaftliche Telekom übergegangen. Zwar muss sie auch anderen Anbietern den Zugang dazu ermöglichen, aber die Konkurenz “muss bei der Telekom fragen”.

Dies führt in der Praxis z.B. dazu, dass wenn z.B. ein Konkurent eine Breitband Unterversorgte Region identifiziert, in der es aber eigentlich genug Bedarf gibt, sich zwar entscheiden kann hier zu investieren, dazu aber am Ende bei der Telekom fragen muss, um eigene DSLAMs in der Vermittlungsstelle oder in den VKzs unterzubringen. Was  i.d.R . dann folgt ist, dass die Telekom den Deal ab der Stelle dann lieber gleich selbst macht. .. Ich denke das erklärt dann auch, wie es sein kann,  dass wir nach wie vor in Deutschland einen unterirdischen Breitband Ausbau haben.

Diese und weitere Skurilitäten des deutschen Telko Marktes lassen sich wunderbar im “Wir sind Einzelfall – für alle! Data from anecdotes. Power from the people.” Blog nachlesen.

Das selbe Problem nur global

Auch die Tier-1 Transport Netzwerke die z.B. die Kontinente miteinander verbinden, gehören nur einigen wenigen multinationalen Konzernen, wie z.B.  AT&T, Telekom, Tata Indica oder Level 3.

Wir sind in einer Situation in der nicht nur einen Großteil unserer Wirtschaft, sondern auch und vor allem ein immer größerer Teil des öffentlichen, politischen Raums fundamental vom Internet abhängen und ich möchte dies Alles nicht in der Hand und unter der Kontrolle einzelner, privatwirtschaftlich organisierter Konzerne wissen.

 

Krieg und Internet — die Fehlkonzeption des 21. Jahrhunderts

Warum hat das Internet(mit großem „I“) nicht viel mit Krieg zu tun?

[Der Text ist während der Arbeit an meiner Thesis entstanden. Ich hatten ihn damals aus der Arbeit gestrichen und nicht veröffentlicht. Ich habe alles ein wenig überarbeitet und angepasst. Ich denke, dass nun der richtige Zeitpunkt dafür ist.]

WE NEED PEACE
WE NEED PEACE

Bullshitbingo auf Medienniveau

Häufig werden wir in den Nachrichten damit überhäuft, dass der Krieg im Internet begonnen hat. Es  waren die DDOS Attacken gegen estnische Webseiten 2007, dann war es Wikileaks und die Attacken von Anonymous oder dann doch lieber die Rekrutierung von Terroristen aus dem Internet. Die Leute, die solche Aussagen verbreiten, haben die Macht des Wortes Krieg in einem neuen Raum erkannt, denn ein Wort, was nicht richtig definiert ist, kann für alles missbraucht werden, wozu eine Interessengruppe Lust hat.

Was ist hier eigentlich los?

DDOS Attacken im Internet müssen aus völkerrechtlicher Sicht und aus Sicht der Kriegskonventionen nicht unbedingt als Krieg bezeichnet werden, da hier die Trennung von Kombattanten und nicht- Kombattanten im Internet so gut wie unmöglich ist und der Schaden nicht mit einem konventionellen Krieg vergleichbar ist. Die CCDCOE hat sich in ihrem Tallinn Manual dazu geäußert. Sie haben nach drei Jahren festgestellt, dass die heutigen Konventionen zumindest während einer kriegerischen Auseinandersetzung geltend gemacht werden können(das haben die meisten Leute schon seit vielen Jahren gepredigt, zumindest für den Teil des “ius in bello”). Jedoch geht aus dem Schriftstück klar hervor, dass sie die dauerhafte Militarisierung des Internets haben wollen, indem sie Computerenthusiasten als Kombattanten während einer kriegerischen Handlung einstufen.

Wir müssen was tun!
Hier muss eine kategorische Trennung vorgenommen werden, damit Juristen, Diplomaten und Politiker klare Regeln definieren können. Der Begriff Krieg sollte nicht in das Internet getragen werden und auf seine Nutzer übertragen werden, dass führt, wie man in den letzten Jahren gesehen hat, zu starker Verwirrung unter allen Beteiligten. Klare Begrifflichkeiten sind eine Chance dieser willkürlichen und inflationären Nutzung des Begriffes Krieg im Internet entgegenzuwirken. Hier würde eine klare Trennung helfen die Sensibilisierung für das Wort Krieg zu fördern und zu zeigen, dass dies kein erstrebenswerte Begrifflichkeit ist. Kooperation und Interessenaggregation sind zukünftige Konzepte für eine gemeinsame Zukunft.

Wo gibt es wirklich Probleme mit Krieg und Internet?

Krieg und das Internet interferieren nur an wenigen Stellen. Die wohl wichtigste Stelle ist, wenn man das Internet als kritische Infrastruktur betrachtet und diese mit zu den zivilen-kritischen Infrastrukturen zählt, welche rechtlich nicht angegriffen werden dürfen. Das Internet ist eine informationelle kritische Infrastruktur, welche schützenswert ist. Durch die hohe Vernetzung auf der Erde und die hohe Abhängigkeit fast aller Staaten von diesem gemeinsamen Raum kann dem gesamten Internet eine wichtige Stellung, wie Gas, Wasser, Strom etc. zugerechnet werden. Das lässt jedoch schließen, dass es für potentielle Konflikte nicht genutzt werden sollte. Dies liegt im Interesse der Nutzer des Internets und sollte von allen verbreitet werden.

Eine andere Schnittstelle zwischen Krieg und dem Internet ist die Beschaffung von Informationen über Gegner, indem man versucht über Spionage an Informationen zu gelangen, jedoch sind das keine kriegerischen Handlungen, sondern Straftaten, die nach den Gesetzen der einzelnen Länder gehandhabt werden. Hinzu kommt, dass Militärs und Geheimdienste das Internet nutzen um neue Soldaten und Experten zu werben. Und wenn ein Staat versuchen sollte Internetdienste eines anderen Staates zu sabotieren oder zu manipulieren, dann ist dies nicht unbedingt mit einer kriegerischen Handlung gleich zu setzen. Die Problematik der Attribution(Identifizierung des Gegners), die im Internet oft einen großen Vektor darstellt, der technisch zwar teilweise gelöst werden kann, aber rechtlich nicht. Wenn es keine Attribution gibt, dann funktioniert unser Internationales Recht nicht und der Kriegsbegriff ist in seiner jetzigen Form nicht anwendbar.

Wir brauchen euch nicht, ihr braucht uns!

Es wird sehr deutlich, dass Krieg nicht im Internet stattfinden kann, sondern, wie vorhin schon erwähnt eher das Internet umschließt, da das Internet eine kritische Infrastruktur ist, die gewissen strategischen Nutzen hat[meine Worte sind noch unpräzise und verbesserungswürdig]. Wir müssen dem Internet zivile Grenzen geben. Wir, die Bürger, haben die Gestaltungshoheit über das Internet.  Wir müssen versuchen die Militarisierung aufzuhalten und dürfen nicht den besonderen Wert des neutralen Internets(diesmal nicht im Sinne von Netzneutralität, wobei das auch ein wichtiges Thema ist, sondern im Sinne eines gemeinsamen neutralen Raumes für alle Menschen) aufgeben. Wir müssen gemeinsam die Militarisierung abschotten und auch technisch vom Internet loslösen. Sollen die, die Krieg über den kybernetischen Raum betreiben wollen, ihre eigenen Netze dafür benutzen. Wir brauchen sie nicht, sie brauchen aber unser Wissen!

PS: Wir müssen Handeln, da neue rechtliche Ausrichtungen der NATO nun auch Computerenthusiasten aka Hacker und Häxen und ihren natürlichen Lebensraum, nämlich unsere Hacker -und Häxenspaces bedrohen könnte, indem sie unsere Fähigkeiten während eines Konfliktes als militärisch ansehen könnten, sodass wir unseren zivilen Status verlieren könnten.

Einführung in das Thema “Informationstechnologie und Sicherheitspolitik” in Videoform von der Openmind 2012 in Kassel

Florian Grunert has studied international politics and philosophy. He is doing research and analyzing studies about information technology and international relations and related topics. You can visit his page www.study4cyberpeace.com for more information.

Florian Grunert: www.study4cyberpeace.com
twitter: zeroskillor
mail: zeroskillor@zeroskillor.org

"Sprachlosigkeit" vor "Ahnungslosigkeit" oder das mit den Zitaten

Heute wurde ich kurz in einem Artikel der ZDF heute Redaktion zur Stationierung von Patriot Raketensystemen an der Türkisch / Syrischen Grenze wie folgt zitiert:

“Das müsste man wohl”, sagt Markus Barenhoff, stellvertretender Vorsitzender der Piraten, heute.de. Viel wichtiger aber sei ihm das Leid der Flüchtlinge an den Grenzen.

Da ich auf das Zitat heute mehrmals angesprochen wurde und hier auch dazu gebloggt wurde, habe ich gerade noch mal die Mail mit der Anfrage des ZDF raus gesucht, sowie meine meiner Antwort, auf der, wie ich vermute, dieses “Zitat” basieren könnte.

Ich bekam am 18.November 2012 eine Mail mit der folgenden Frage von Dominik Rzepka (ZDF heute):

Das NATO-Mitglied Türkei wird am Montag um Aufstellung von Abwehrraketen im syrischen Grenzgebiet bitten.
Wie werden Piraten sich am Montag zu dieser Bitte verhalten?

Ich habe darauf hin am selben Tag geantwortet:

“Die Stationierung von Patriot PAC-3 Systemen an der Türkisch-Syrisch Grenze zur Landesverteidigung ist zwar legitim im Rahmen der NATO Statuten, bemerkenswert erscheint mir aber die schnelle Einigkeit der Bundesregierung in dieser Frage. An derselben Grenze zeichnet sich seit Wochen eine humanitäre Flüchtlingskatastrophe ab. Zu dieser Frage höre ich vonseiten der christlich-liberalen Bundesregierung gar nichts und es entsteht der Eindruck, dass der Einsatz, der Kauf oder Verkauf von Waffensystemen Konsens ist, während das Schicksal von über 100.000 Flüchtlingen den Aufmerksamkeitshorizont dieser Regierung nicht zu erreichen scheint.”

Die Legitimität der Stationierung ist formell gegeben, da die Anfrage der Türkei explizit kein Bündnis- oder Verteidigungsfall nach Artikel 5 des NATO-Vertrags, sondern eine Anfrage um Hilfe bei der Landesverteidigung war. Diese kann der Nato-Oberkommandierende von sich aus anordnen.

Hätte der gute Menschenfreund mich vorm bloggen einfach mal gefragt, hätten wir nicht beide bloggen brauchen und ich hätte mir einige Minuten “Sprachlosigkeit” vor “Ahnungslosigkeit” ersparen können ;)

 

 

Kultur-Erzeugungs-Stress

Die @laprintemps hat in einem Beitrag bei der SZ eine Kritik an der Sprachkultur im Internet unter dem Titel “Wer sichtbar ist, wird niedergemacht” formuliert.

Ich möchte an dieser Stelle kurz eine vielleicht etwas andere Perspektive auf das selbe Thema anbieten:

Ich glaube in diesem Zusammenhang ist eine Rationalisierung, des Prozesses der da passiert, hilfreich.

Damit zwei Menschen auf der fakten Ebene produktiv debattieren können, müssen sie zuvor in einem diskutiven Prozess ein intersubjektives System geteilter Wertvorstellungen schaffen, was wir als Kultur bezeichnen. Im Netz sind es nun aber nicht einzelne Personen, oder kleine, stabile Gruppen von Personen, sondern viele Cluster von Menschen, die sich auch oft noch mit hoher Geschwindigkeit in ihrer Struktur verändern, wodurch auch die Notwendigkeit neue Kulturmuster emergieren zu lassen steigt.

Die Frage die sich mir dann stellt ist, ob wir dazu in der Lage sind derart schnell neue Kulturen zu erzeugen. Ich glaube auf dauer nicht, darum ist es um so wichtiger, diesen Kulturerzeugungsmechanismus zu einem Prozess zu machen, der adaptiert und nicht den Anspruch hat zu assimilieren.

 

Weil zuletzt mehrmals gefragt: hatte nicht vor für den buvo zu kandideren

Noch am 13.02. wusste ich zu twittern:

weil zuletzt mehrmals gefragt: habe nicht vor für den buvo zu kandideren. Allgmeines piratiges Mandat ist mir im Moment zu wichtig #piraten

Doch vor ein paar Tagen habe ich noch mal über diese Aussage nachgedacht und mich gefragt: “Wer sagt dass eigentlich, dass mit einem Amt im Bundesvorstand der Verlust der Möglichkeiten einhergeht?
Viele Mitglieder des aktuellen Bundesvorstands haben sich immer wieder in den Medien sehr strikt jeglicher Aussagen enthalten, die z.B. nicht durch einen Parteitagsbeschluss gedeckt sind und dies da mit begründet, dass sie in ihrer Funktion als Vorstand einer basisdemokratischen Partei eben Sprachrohr sein können.

Also weshalb impliziert zunächst der Verlust des allgemeinen piratigen Mandats, dass ich kein Vorstand werden kann:
Weil ich mich daran nie im Leben mit Ansage halten könnte. Wer mich kennt, der weiß, wenn mich ein politisches Thema oder ein Diskurs interessiert, dann kann ich meine Klappe nicht halten; dann will ich diskutieren, streiten und debattieren – auch ohne formelle Beschlusslage.

Die zweite Frage, die sich daraus ergibt: Wer bestimmt das jetzt eigentlich, dass ein Vorstand nicht politisch sein darf – dass ein Vorstand vornehmlich “Verwaltungsfunktionen” zu übernehmen hat etc pp?
Die Satzung könnte so etwas ggf. bestimmen, oder ungeschriebene aber in der Partei als allgemeingültig anerkannte Prinzipien könnten dies verlangen.

Doch am Ende bestimmt das höchste Parteiorgan, der Bundesparteitag. Dieser wählt, hoffentlich nach sorgfältiger Prüfung, Leute in Ämter, die er für geeignet halten.
Dieser Gedanke drehte die ganze Sache um 180° in meiner Bewertung herum: Wenn mich diese Beschränkung, vielleicht auch aus ganz subjektiven Gründen stört, dann sollte es in einer demokratischen Partei doch nicht nur denkbar sein, diese andere Position zu vertreten, sondern möglicherweise ergibt sich schon fast ein Pflicht, diese Position als Wahlalternative anzubieten. Nur so lassen sich scheinbar fixe Positionen immer wieder kritisch prüfen. Gerade in so einer jungen und rasant wachsenden Partei erscheint es mir unerlässlich, immer wieder abzufragen ob eine Meinungsbild überhaupt noch den Vorstellungen der Mitglieder der Partei entspricht.

Um es kurz zu machen und schon mal vorwegzunehmen:
Ab diesem Moment wurde aus der Hürde für eine Kandidatur für den Bundesvorstand der Piratenpartei, eine Art moralische Verpflichtung zur Kandidatur – aka ich werde kandidieren.

Beim gedanklichen Durchgehen, der verschiedenen Ämter, warf der @andreasdotorg auf twitter zufällig und aber genau passend die Frage auf:

“Wozu gibt es eigentlich den Posten des politischen Geschäftsführers, wenn ihr einen Vorstand wollt, der nicht politisch ist? #piraten”

Ich habe dann mal versucht, primär auf der sprachlichen Ebene auseinander zu tüddeln, was denn nun die Aufgabe eines politischen Geschäftsführers in einer Piratenpartei bedeuten könnte:

Er führt die politischen Geschäfte einer Partei. Hui da wäre zunächst natürlich das Wort Führen, was sich auf der Piraten Shitstorm-Möglichkeitsraum-Skala von 1-10 bestimmt eine solide 8 sichert.
Dieses Sepsis begründet sich bei freiheitsliebenden Menschen zu Recht daraus, dass klassische Führung, in hierarchisch aufgebauten Strukturen nicht nur die Führung von Geschäften impliziert, sondern auch strukturell die Führung – im Sinne von Richtung vorgeben, von Menschen.
Aber die Piraten ist keine hierarchisch aufgebaute Struktur und sie möchte es auch nicht sein. Ich könnte jetzt in einem eigenen Aufsatz über hochgradig eng vermeschte soziale Netzwerke schreiben, die Konzepte wie nonlineare Rückkopplung Effekte kennt, die immer wieder für das Auflösen stabiler Zustände sorgen und dadurch den Prozessmuster Wechsel beherrschen; von Systemen die durch ihre Komplexität suprasummative Intelligenz und Intentionalität aufweisen; von Netzwerken die in der Lage sind völlig neue Ordnungsmuster zu erzeugen – aber das würde an dieser Stelle zu weit führen: ich mein die Sache mit den Schwärmen und so.


Aber wie will man so einen Schwarm führen?

Im klassischen Sinn, dass man irgendwie von oben die Struktur, die Ergebnisse oder die Ziele vorgibt – gar nicht. Die einzige Möglichkeit die bleibt ist es Rahmenbedingungen zu schaffen die es ermöglichen, dass sich ein solcher Schwarm entfalten kann.
So definiert, macht dann für mich auch das Amt des poltischen Geschäftsführers in einer Piratenpartei wieder Sinn und ich bin der Meinung dass ich in der Lage bin dazu etwas beizutragen und werde mich darum um genau um dieses Amt bewerben.

 

Was stelle ich mir konkret vor?

Kommunikative Landschaftspflege in der Partei:

In der Piratenpartei haben wir immer mal wieder nachvollziehbare Missverständnisse in der Kommunikation, die sich aus meiner Sicht im Moment an Achsen entlang manifestieren.
Da wäre zum einen, dass die Piraten eigentlich das sind, was man eine Volkspartei nennt. Die Piratenpartei rekrutiert sich aus einer sehr breiten gesellschaftlichem Umfeld. Somit kommen auch politisch die unterschiedlichsten Schulen und Ideologien zusammen, was im Diskurs manchmal etwas schwierig wird, da die gleichen Worte oft mannigfaltig besetzt und konotiert sind, je nach dem, aus welcher Ecke man kommt.
Des Weiteren wurde ja auch schon an anderen Stellen beschrieben, dass die Piratenpartei ja eigtl. nicht eine Partei ist, sondern im Prinzip ein Zusammenschluss aus 3 oder 4 Parteien.
Da gab es die Piraten bis 2009. Da waren wir ein paar Hundert Mitglieder und mussten erst mal Landesverbände gründen, Satzungen schreiben und erste politische (kern) Themen formulieren (Piratenpartei 1).
Dann kam es 2009 im Vorfeld der Europawahl zu einem ersten Boost und wir wuchsen auf 2000-3000 Mitglieder (Piratenpartei 2). Dann der Zuwachs nach der Bundestagswahl auf über 12.000 Mitglieder (Piratenpartei 3) und schließlich das Wachstum 2011/12 nach der Berlinwahl auf nunmehr 20.000 Mitglieder (Piratenpartei 4). Auch hieraus ergeben sich, natürlicher weise, immer wieder Kommunikationsproblem.

Exemplarisch sei hier vielleicht die Gründung der Gruppe42 genannt. Stark vereinfacht stellte sich dies für mich wie folgt da:
Mitglieder primär aus Piratenpartei 1 und 2 haben ein Cluster gebildet (nichts Ungewöhnliches: Spackeria, Sektion31, Kegelclub, AG Punkrock, AG Schnittchen etc. pp) und gesagt, dass sie ihre (Kern) Themen wieder mehr in den Vordergrund stellen möchte, weil sie in den Themen von Piratenpartei 3 und 4 untergehen.
Primär Mitglieder aus Piratenpartei 3 waren sauer, weil die von ihnen extra freigehaltenen Stühle für Piratenpartei 1 und 2 lange einfach leer blieben und nun etwas überrumpelt waren, dass auf einmal doch wieder Leute Platz nahmen.
Piratenpartei 4 stand vermutlich etwas verwirrt daneben.
Derartige Probleme aufzudecken und anzusprechen ist mir sehr wichtig. Dies würde ich gerne als politischer Geschäftsführer noch mehr intensivieren, als ich es im Moment auch schon tue.

Kommunikation nach außen:

Eine der schwierigsten Aufgaben bei solchen Schwarm-Systemen ist es zu verstehen, wie die Lösungsbildung innerhalb des Schwarmes funktioniert und vor sich geht, wenn man selber nicht Teil dessen ist.
Aber genau dies ist weiterhin eine der vornehmsten Aufgaben einer Partei: zur politischen Willensbildung beizutragen. Das heißt die Prozesse und die Themen die beiden Piraten laufen auch zurrück in den gesellschaftlichen Diskurs zugeben – in eine Gesellschaft die strukturelle zu großen Teilen noch gar nicht in der Lage ist diese Prozesse nachzuvollziehen. Ich weiß von mir, dass ich in der Lage bin, diesen Übersetzungsprozess zu leisten und dass mir dies Freude bereitet. Diese Fähigkeit möchte ich kerne in den neuen Bundesvorstand einbringen.

Selbstbewusstsein schaffen:

Des Weiteren möchte ich ein Selbstbewusstsein (im doppelten Wortsinn) befördern:
Die Piraten sind nicht nur eine coole und pragmatisch tatkräftige Truppe. Die Piraten sind im parteipolitischen Spektrum die Manifestation einer neuen Elite der sich gerade entwickelnden Wissensgesellschaft. Durch ihre Sozialisation in der Kultur des Internets können sie Konzept und Modelle überhaupt denken, die Zwingen notwendig sind, um die aktuellen weltweiten Entwicklungen nur ansatzweise verstehen zu können. Daher sehe ich hier eine moralische Verpflichtung: Wenn wir scheinbar noch am besten von allen verstehen, was gerade vor sich geht, ist es nicht nur unsere Aufgabe tatkräftig an der Gestaltung mitzuwirken, sondern diesen Prozess auch intellektuell und philosophisch zu beschreiben, zu kommentieren und eben zu gestalten.
Sich dessen als Partei “selbst bewusst” zu werden ist ein Ziel, welches ich auf dem Vorstand heraus gerne fördern möchte, da ich überzeugt bin, dass die Piraten dann noch “selbstbewusster” an die Umsetzung ihrer Ziele gehen können.

Weiteres

Ich hoffe ich konnte euch meine primären Gründe und Motivationen darlegen, warum ich mich überhaupt, und für das Amt des politischen Geschäftsführers im speziellen bewerbe und freue mich jetzt erstmal bis Neumünster auf eine rege Diskussion, Fragen und Anmerkungen und bin überzeugt, wir werden uns am Ende wieder einen ordentlichen Vorstand wählen.

Guter Augangspunkt für näheres zu meiner Person, Kommunikationskanälen usw. findet Ihr im Piratenwiki.

Update: Da es Nachfragen gab, wie ich das ganze Schwarm Gedöns meine – Ich teile sehr stark die Analysen von Peter Kruse, der eine stark systemtheoretisch beeinflusste Sicht auf die Dinge anbietet. Er erklärt hier bei youtube sehr schön einige seiner grundsätzlichen Überlegungen: Peter Kruse über Kreativität. Etwas eigenes, wenn auch wieder von Kruse stark beeinflusst, habe ich zu dem Thema 2010 hier veröffentlicht.

 

 

Warum sollten die Piraten Georg Schramm aufstellen? Eine Replik

CC-NC-BY Gerrit Moritz
(CC BY-NC-SA Gerrit Moritz)

Ich Habe gerade bezugnehmend auf den Kommentar von Julia Seelinger bei der FAZ unter dem Titel “Warum stellen die Piraten Georg Schramm auf?” mal meinen Senf abgegeben, den ich gerne hier auch nochmal als Replik Posten möchte.

Das ganze Verfahren ist imho bisher eine Missachtung der Bundesversammlung. Georg Schramm ist vor allem ein geeigneter Kandidat weil ich vermute, dass alle sagen werden, dass es sich nur um einen Spaß-Kandidaten handelt. Warum? Haben Sie den Linken mit Sodan auch vorgeworfen… Nur weil er Schauspieler von Beruf war, oder Schramm nur Dipl. Psychologe und Kabarettist. Was sind das bitte für Maßstäbe?? Der letzte Bundespräsident hat scheinbar nix anständiges gelernt (ja, ich weiss argumentum ad hominem, ad factum kommt gleich).

Reykjavik/Island hat mittlerweile auch seit einiger Zeit einen Punkrocker und Komiker als regierenden Bürgermeister.

Genau auf diese Umstände sollten die Wahlleute der Piraten hinweisen und zeigen, dass es sich bei der Bundesversammlung um ein Verfassungsorgan handelt, in dem freie Wahlleute in einem repräsentativ demokratischen Prozess den Bundespräsidenten wählen.

Dieses Verfahren kann man kritisieren, aber dann ist man bei der Frage ob das Verfassungsorgan und/oder das Amt des Bundespräsidenten überhaupt noch benötigt wird. Diese Debatte zu befördern wäre ja auch das, was Julia fordert.

Und genau dies, wäre der imho das gute an einer Nominierung von z.B. Schramm – dass man darüber auch schnell zu der von Julia geforderten Debatte kommen kann.

Sprechen da wirklich unsere Journalisten? ARD und ZDF wollen ACTA?

Wie die Zeit berichtet, fordern jetzt angeblich ARD, ZDF, der Börsenverein des deutschen Buchhandels ?!?!, die Gema, der Bundesverband der Musikindustrie gemeinsam die Bundesregierung auf, das Handelsabkommen ACTA sofort zu unterschreiben.

Stellvertretend für die Allianz sagte Jürgen Doetz, Vorsitzender des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien VPRT: “Nachdem sich jeder davon überzeugen konnte, dass alle bei Acta zur Eindämmung von Rechtsverletzungen vorgesehenen Maßnahmen bereits dem deutschen Schutzniveau entsprechen, sollte das Abkommen nun auch unterzeichnet werden. Wir bedauern, dass die Bundesjustizministerin die internationale Durchsetzung des europäischen Schutzniveaus infrage stellt.”

Ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, dass Jürgen Doetz für eine Mehrheit derer spricht,  die bei den öffentlichrechtlichen jeden Tag  journalistisch arbeiten – ob im WDR Lokalstudio in Münster, in den unzähligen Hörfunkprogrammen, den online Redaktionen beim ZDF, oder der Redaktion der Tagesschau in Hamburg.

Ich musste noch bevor ich den Artikel ganz zu Ende gelesen hatte, unverzüglich an das Protest-Video denken, welches die Zeit im Bild (ZiB) Redaktion des ORFs produziert hatten, um sich gegen eindeutig politisch motivierte Stellenbesetzungen im Sender durch die Geschäftsführung zu verwehren. Ein deutliches “Not in our name!”

Ich bin kein Journalist und vielleicht täusche ich mich ja und die Mitarbeiter des ZDFs und der ARD-Anstalten fühlen sich durch Jürgen Doetz gut vertreten? Ich glaube es wie gesagt aber wirklich nicht. Um sicher zu sein, werde ich versuchen Kontakt zu Redakteuren hier beim WDR in Münster aufzunehmen um sie vielleicht überhaupt erstmal auf dieses Statement zu stupsen, aber dann auch ihre Meinung zu erfahren.

Ich freue mich natürlich auch über Kommentierung, gerade von Journalisten, hier im Blog :-)

Meine Rede bei der Demo gegen ACTA in Münster (11.02.2012)

Auf der Demonstration gegen ACTA heute, habe ich heute eine kleine Rede gehalten um die Gedanken von Cory Doctorow auf dem 28C3 in seinem Vortrag angesprochen hat. Darum zunächst mal hier das Original und unten der Text zu meiner Rede.

Vielen Dank auch an Christian Wöhrl aus dessem deutschen Transscript ich fleissig raubmordkopiert habe!

 


 


Monsanto ist die beste Firma der Welt !!


Nestle verkauft Grundwasser an die Oberschicht und die Brunnen der Bevölkerung trocknen aus !!


Monsanto ist die fieseste Firma der Welt !!


Entschuldigen Sie bitte diesen etwas verwirrenden Anfang.


Es handelte sich um eine Funktionsprüfung dieser Beschallungsanlage.


 


Aber mir scheint es handelt sich um eine Gute, alte lineare Verstärkeranlage, die noch aus diskreten Bauteilen aufgebaut ist. Da sollte in der Regel noch alles über kommen.


Warum sollte dies nicht der Fall sein, wird sich jetzt vielleicht der Ein oder Andere fragen.


Hätte ein klassisches “one two three” nicht genügt, um die Funktionsfähigkeit der Anlage zu testen?


Heute genügt in den meisten Fällen fällen wohl noch ein “one two three”.


Es erscheint aber nicht ganz unwahrscheinlich, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte.


 


Ich werde in den nächsten Minuten nur am Rande über Urheberrecht, Copyright oder Verwertungsrecht sprechen.


Denn diese Diskussionen, die wir da führen, erscheinen mir wie ein Symptom einer viel größeren und gravierenderen Entwicklung, die unsere äußerste Aufmerksamkeit verdient.


Auf dem letzten Chaos Computer Kongress in Berlin, hielt Cory Doctorow einen viel beachteten Vortrag unter dem Titel:


“The Coming War on General Purpose Computation” – übersetzt auf deutsch: “Der kommende Krieg gegen universelle Computer”.


Der universelle Computer ist zum einen das, was sich die meisten Menschen wohl unter einem Computer vorstellen:


der PC am Schreibtisch, der Laptop, die großen Server im Firmenkeller, oder auch das Smartphone.


Die selben universellen Computer finden Sie aber auch im ABS-System ihres Autos, in ihrem MP3-Player oder ihrem Flachbildfernseher im Wohnzimmer.


 


Die Funktion eines universellen Computers ist vereinfacht schnell beschrieben:


  • Er kann Daten von außen lesen.
  • Er kann Daten wieder ausgeben.
  • Er kann diese Daten kopieren.
  • Er kann diese Daten weiter verarbeiten




 


Aber gerade die Funktion des Kopierens scheint gewissen Interessengruppen, in den letzten 15 Jahren im Speziellen der Unterhaltungsindustrie, zu missfallen


Ganz ähnlich verhält es sich mit den “General Purpose Networks”, also den “Universellen (Computer-) Netzwerken”.


Computer sind durch sie in der Lage, untereinander die Kopiervorgänge von Daten und Informationen, auch über räumliche Distanzen und Grenzen auszuführen.


 


Seit den 80er Jahren, man erinnert sich an die Musikkasette oder die VHS Videos, löste sich ein Problem von selbst auf,  deren bisherige Lösung eine Aufgabe, aber auch Einnahmequelle der Unterhaltungsindustrie war:


Die Verteilung der Werke an die Rezpienten.


Was seit dem, bis zum heutigen Tage folgte, und deren Spitze im Moment ACTA, SOPA und PIPA scheinen, bezeichnete Doctorow zu Recht mit den “Copyright Wars”.


 

Nehmen wir das Beispiel MP3 Player: ein Universeller Computer, mit einer speziellen Aufgabe, das Abspielen von Musik.


Theoretisch wäre er aber auch in der Lage, mit der richtigen Software, ein Ampel zu steuern, einen Airbag auszulösen oder eben digitalen Kopien der Musik herzustellen.


 


Gegen eine Alternativnutzung meines MP3 Players zur Ampelsteuerung, hätte Sony/BMG oder die GEMA vermutlich nichts einzuwenden, aber das Kopieren von Musik soll unter allen Umständen verhindert werden.


Aber wie soll das gehen, wenn es doch eine der vornehmsten Aufgaben eines Computers ist Daten zu kopieren?


Man kann zum Beispiel die Musikdateien verschlüsseln und einen MP3 Player konstruieren, der die Daten vor dem Abspielen wieder entschlüsseln…


Aber dann gibt es ein neues, ein zweites Problem:


Jetzt muss man den Benutzer auch noch davon abhalten, die Datei im entschlüsselten Zustand abzuspeichern, und man muss ihn daran hindern, herauszufinden, wie das Entschlüsselungsprogramm im MP3 Player funktioniert.


Denn wenn die Nutzer die Schlüssel finden, dann entschlüsselt er die Dateien einfach einmal und kann sie dann auch wieder auf anderen Geräten abspielen.


 


Daraus ergibt sich ein drittes Problem:


Der Benutzer mit den entschlüsselten Dateien muss daran gehindert werden, sie an andere Benutzer weiter zugeben.


 


Und dann hat man noch ein viertes Problem:


man muss die Leute, die wissen, wie man Entschlüsselungsprogrammen ihre Geheimnisse entlockt, davon abhalten, anderen Leuten weiterzuerzählen wie man das macht.


 


Und dann natürlich noch Problem fünf:


dass man diese Leute auch noch davon abhalten muss,


anderen zu verraten, was genau diese Geheimnisse waren!

 


Wie so oft wenn man probiert soziale Probleme technisch zu lösen, kommt keine Lösung für das ursprüngliche Problem dabei heraus sondern, sondern meit nur mehr Probleme.


Aber 1996 hatten wir auch für diese Probleme eine Lösung. Wir hatten den WIPO-Copyrightvertrag, verabschiedet von der United Nations World Intellectual Property Organization;


 


daraus entstanden Gesetze:


die es illegal machten, Geheimnisse aus Entschlüsselungsprogrammen zu extrahieren,


und Gesetze, die es illegal machten, Medien im Klartext im laufenden Betrieb aus den Entschlüsselungsprogrammen zu extrahieren,


und Gesetze, die es illegal machten, anderen zu erzählen, wie man Geheimnisse aus Entschlüsselungsprogrammen extrahiert,


und Gesetze, die es illegal machten, copyrightgeschützte Werke und Geheimnisse und so weiter zu hosten …


 


Heute 16 Jahre später können wir konstantieren:


Hat ja super funktioniert … Nicht.


 


Es wird also sichtbar, dass die Verwertungsindustrie daran ein Interesse hat, zu kontrollieren:


  • welche Daten unsere Computer verarbeiten können,
  • welche Prozesse oder Programme auf unseren Computer laufen
  • und welche Informationen wir über unsere Netzwerke übertragen




Das dies in einer immer vernetzteren Welt, ein schauderhaftes Szenario ist, scheint ein Grund zu sein, dass die Menschen heute, und in den letzten Wochen und Monaten, an vielen Orten in NRW, Deutschland, Europa und der Welt gegen ACTA, SOPA und PIPA auf die Strasse gegangen sind.


Aber versuchen wir doch mal ein paar Jahre in die Zukunft zu extrapolieren:


Wir haben in unserem Hackspaces auf der ganzen Welt mittlerweile Makerbots, oder auch 3D Plotter.


Diesem kann ich ein 3 dimensionales Computer Model eines Objekts übergeben und er fertigt es mir aus Kunststoff.


Er ist sogar in der Lage einen Großteil seiner eigenen Teile herzustellen (zu kopieren).


Technologie die bis vor ein paar Jahren nur in den Design Abteilungen großer Konzerne zur Herstellung von Prototypen zu finden war, ist nun bald Massentauglich.


Vielleicht haben wir in ein paar Jahren schon die Technologie, die heute ausschließlich in den mikrobiologischen Labors zu finden ist, auch für kleines Geld zuhause stehen,


Und wenn ich mir bei The Pirate Bay noch die Monsanto Kartoffel DNA runter laden kann, die ja eigentlich ganz lecker ist, aber in der von einem Biohacker aus Kenia weiter entwickelte Variante,


die sich wieder selbständig reproduzieren kann, prognostiziere ich die Förderungen von Monsanto:


“Könnt ihr uns nicht einen Computer bauen, der alle Programme laufen lässt außer denen, die uns Angst oder Ärger bereiten?”


“Könnt ihr uns nicht ein Internet einrichten, das jede Botschaft über jegliches Protokoll zwischen zwei beliebigen Punkten überträgt, und wir schauen welche Nachricht uns nicht passt ?”


Ich könnte jetzt noch Dutzende von ähnlichen Beispielen aufführen, es ist aber klar, dass die Unterhaltungs- und Verwertungsindustrie gegen die kommenden Interessen der Bürger vorgehen wird.


Sie werden versuchen Einfluss auf unsere Computer und unsere Netzwerke zu nehmen und gegen die guten Ideen arbeiten. Sie sind ein sehr mächtiger Gegner.


 


Da ich es nicht schöner zusammenfassen könnte, raubmordkopiere ich gerne, und zitiere zum Schluss, aus dem vorhin erwähnten Vortrag von Cory Doctorow:


In Zukunft wird unsere Freiheit davon abhängen, dass wir in der Lage sind, unsere Geräte zu überwachen und sinnvolle Regeln für sie festzusetzen, die darauf laufenden Prozesse zu begutachten und zu beenden, sie als ehrbare Diener unseres Willens gebrauchen zu können und nicht als Verräter und Spione, im Dienst von Kriminellen, Gangstern und Kontrollfetischisten.


Und noch haben wir nicht verloren; aber wir müssen die Copyright-Wars gewinnen, um das Internet und den PC frei und offen zu erhalten. Denn sie sind das Material in den Schlachten, die vor uns liegen. Wir werden ohne sie nicht in der Lage sein zu kämpfen.


Und ich weiß, dies klingt wie ein Eingeständnis der Verzweiflung, aber es sind erst die Anfangstage.  Wir haben erst gegen den Level-End-Gegner gekämpft, und das bedeutet, dass noch große Herausforderungen auf uns warten;


aber wie jeder gute Spieldesigner hat das Schicksal uns ein weiches Ziel geschickt, an dem wir trainieren können.


Wir haben eine Chance, eine echte Chance, und wenn wir offene und freie Systeme unterstützen und auch die Organisationen, die sich dafür einsetzen, der CCC, EFF, Bits of Freedom, EDRi, Netzpolitik, La Quadrature du Net und all die anderen, die glücklicherweise zu zahlreich sind, um sie hier alle aufzählen zu können: Dann können wir den Kampf noch gewinnen – und uns die Munition sichern, die wir für den Krieg brauchen werden.


	

Religion und Staat bei den Piraten

Wahlplakat Piraten Berlin - Religion privatisierenIn 2 Wochen findet der Bundesparteitag der Piraten in Offenbach statt. Dort wird es primär um programmatische Arbeit gehen, also um Erweiterungen und Veränderungen des Grundsatzprogramms der Partei.

Unter anderem gibt es im Antragsportal 4 konkurrierende Anträge zum Themenkomplex Kirche und Staat, die in unterschiedlicher Form eine deutlich striktere Trennung von Staat und Religion fordern:

Angeregt durch den Blog-Post “Piratenpartei: Radikal atheistische Politik” möchte ich hier als Pirat und (evangelischer) Christ ein paar Gedanken anhand eines Zitats von Dietrich Bonhoeffer zusammen tragen. Ich werde dabei nicht auf die einzelnen, oben genannten Anträge eingehen, hoffe aber zeigen zu können, dass das den Anträgen zu Grunde liegende Ziel einer strikten Trennung von Kirche und Staat, nicht nur zeitgemäß, sondern auch begrüßenswert ist, da es insbesondere den Christen in Deutschland die Freiheit geben kann, ihre, in meinen Augen wichtige Botschaft, wieder stärker in die Gesellschaft einzubringen.

Mich bewegt unablässig die Frage, was Christus uns für die Zukunft zu sagen hat. Wir brauchen ein erneuertes Christentum, denn unsere Welt ist mündig geworden. In einer modernen Welt muss Religion vor allem ein Ziel haben: Wir müssen unsere Not und unser Leid teilen und damit auch das Leiden Gottes, in einer gottlosen Welt. Wir brauchen viel mehr als eine Religion der frommen Worte. Wir brauchen Glauben und in seinem Zentrum Jesus Christus. Wahres Christentum heißt: Teile des anderen Schmerz. Wir können den Tag nicht voraussagen, an dem berufene Menschen, das Wort Gottes wieder so aussprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. Aber, wenn dieser Tag kommt, wird es eine neue Sprache sein. Vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und wirklich erlösend, so wie die Sprache Jesu. Sie wird die Menschen entsetzen. Entsetzen, durch ihre Gewalt. Diese Sprache einer neuen Wahrheit, verkündigt den Frieden Gottes, mit den Menschen. – Dietrich Bonhoeffer

Auch wenn das Zitat schon über 60 Jahre alt ist, so teile ich Bonhoeffers Auffassung, heute um so mehr, dass die Welt mündig geworden ist, was meiner Meinung nach die Grundlage vieler Position der Piraten, auch außerhalb dieses Kontextes ist. Auch bei seiner Forderung dass es viel mehr als eine Religion der frommen braucht, muss ich unweigerlich an den Zustand unserers politischen Systems denken.

Bonhoeffer stellt in guter protestantischer Tradition die eigentlichen Grundaussagen des Christentums wieder in den Mittelpunkt. Was dem Christenum allerdings in meinen Augen nach wie vor fehlt, sind eben die Rahmenbedingungen die es ermöglichen, damit die Bootschaft, insbesondere der Christen und ihrer Kirchen in Deutschland wieder (endlich?)  “befreiend und wirklich erlösend” sein kann. Dazu bedarf eines einer Emanzipation der Christen mit oder vielleicht sogar von ihren Kirchen, die mir ohne eine strikte Trennung vom Staat nicht möglich erscheint.

Wie in so vielen anderen Bereichen auch, erkennen die Piraten hier wieder als erste nicht nur die Notwendigkeit einer (im konkreten schon sehr alten) Forderung, sondern Sie sehen, ob nun bewusst oder unbewusst die Möglichkeiten dass aus ihre Forderungen in Zeiten des Internets und der mündigen Wissensgesellschaft auch umsetzbar sind.

Ich könnte mir vorstellen, dass sowohl Jesus, wie Luther, wie Bonhoeffer, würden Sie heute Leben, einen oder mehrere der Anträge unterstützen würden.