Religion und Staat bei den Piraten

Wahlplakat Piraten Berlin - Religion privatisierenIn 2 Wochen findet der Bundesparteitag der Piraten in Offenbach statt. Dort wird es primär um programmatische Arbeit gehen, also um Erweiterungen und Veränderungen des Grundsatzprogramms der Partei.

Unter anderem gibt es im Antragsportal 4 konkurrierende Anträge zum Themenkomplex Kirche und Staat, die in unterschiedlicher Form eine deutlich striktere Trennung von Staat und Religion fordern:

Angeregt durch den Blog-Post “Piratenpartei: Radikal atheistische Politik” möchte ich hier als Pirat und (evangelischer) Christ ein paar Gedanken anhand eines Zitats von Dietrich Bonhoeffer zusammen tragen. Ich werde dabei nicht auf die einzelnen, oben genannten Anträge eingehen, hoffe aber zeigen zu können, dass das den Anträgen zu Grunde liegende Ziel einer strikten Trennung von Kirche und Staat, nicht nur zeitgemäß, sondern auch begrüßenswert ist, da es insbesondere den Christen in Deutschland die Freiheit geben kann, ihre, in meinen Augen wichtige Botschaft, wieder stärker in die Gesellschaft einzubringen.

Mich bewegt unablässig die Frage, was Christus uns für die Zukunft zu sagen hat. Wir brauchen ein erneuertes Christentum, denn unsere Welt ist mündig geworden. In einer modernen Welt muss Religion vor allem ein Ziel haben: Wir müssen unsere Not und unser Leid teilen und damit auch das Leiden Gottes, in einer gottlosen Welt. Wir brauchen viel mehr als eine Religion der frommen Worte. Wir brauchen Glauben und in seinem Zentrum Jesus Christus. Wahres Christentum heißt: Teile des anderen Schmerz. Wir können den Tag nicht voraussagen, an dem berufene Menschen, das Wort Gottes wieder so aussprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. Aber, wenn dieser Tag kommt, wird es eine neue Sprache sein. Vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und wirklich erlösend, so wie die Sprache Jesu. Sie wird die Menschen entsetzen. Entsetzen, durch ihre Gewalt. Diese Sprache einer neuen Wahrheit, verkündigt den Frieden Gottes, mit den Menschen. – Dietrich Bonhoeffer

Auch wenn das Zitat schon über 60 Jahre alt ist, so teile ich Bonhoeffers Auffassung, heute um so mehr, dass die Welt mündig geworden ist, was meiner Meinung nach die Grundlage vieler Position der Piraten, auch außerhalb dieses Kontextes ist. Auch bei seiner Forderung dass es viel mehr als eine Religion der frommen braucht, muss ich unweigerlich an den Zustand unserers politischen Systems denken.

Bonhoeffer stellt in guter protestantischer Tradition die eigentlichen Grundaussagen des Christentums wieder in den Mittelpunkt. Was dem Christenum allerdings in meinen Augen nach wie vor fehlt, sind eben die Rahmenbedingungen die es ermöglichen, damit die Bootschaft, insbesondere der Christen und ihrer Kirchen in Deutschland wieder (endlich?)  “befreiend und wirklich erlösend” sein kann. Dazu bedarf eines einer Emanzipation der Christen mit oder vielleicht sogar von ihren Kirchen, die mir ohne eine strikte Trennung vom Staat nicht möglich erscheint.

Wie in so vielen anderen Bereichen auch, erkennen die Piraten hier wieder als erste nicht nur die Notwendigkeit einer (im konkreten schon sehr alten) Forderung, sondern Sie sehen, ob nun bewusst oder unbewusst die Möglichkeiten dass aus ihre Forderungen in Zeiten des Internets und der mündigen Wissensgesellschaft auch umsetzbar sind.

Ich könnte mir vorstellen, dass sowohl Jesus, wie Luther, wie Bonhoeffer, würden Sie heute Leben, einen oder mehrere der Anträge unterstützen würden.

 

Urheber bei den Grünen

Gestern war ich bei den Gruenen in Münster und habe dort mit Malte Spitz über das Urheberrecht diskutiert. Ich habe dort @plaetzchen vertreten, da er beruflich unterwegs war.
Diskutiert wurde mit Malte Spitz, der im Bundesvorstand der Gruenen ist. Es war eine interessante Runde. Schüler, Musiker, Schriftsteller, Maler, Wissenschaftler und Designer waren dort.

Get together:
Wir saßen in einer gemütlichen Runde bei Getränken zusammen. Gestartet wurde die Runde mit einer kleinen Vorstellung von Malte und mir. Danach haben alle Menschen am Tisch ein Frage/Statement zu dem Thema Urheberrecht präsentiert und sich kurz in einem Satz beschrieben. Es ging um die Verwertungsgesellschaften, die großen Plattenunternehmen, Kreativität, Visionen, GEZ, Blogger, Filesharing und im Allgemeinen um die Positionen der Grünen und Piraten. Nach der Vorstellungsrunde hat Malte sich grundlegend zu dem Thema geäußert, was eine gute Einführung in die Thematik war.

Malte kannte sich gut mir diesem Thema aus und schien diese Debatte schon häufig mit den Grünen oder anderen geführt zu haben, was bei mir in so einem Rahmen nicht zu traf.
Ich kannte jedoch Filme, Texte und Statements von Musikern über das Thema Urheberrecht und habe mich auch in den letzten Jahren mit der Thematik beschäftigt. Bin aber, wie es bei uns Piraten immer ist, kein Experte.

Diskursaktion

Malte erklärte, dass man zunächst Verwertungsgesellschaften wie die GEMA und die großen Plattenfirmen nicht verwechseln sollte, was ich wohl in einem Satz fehlerhafter weise getan habe. Malte klärte erst mal gewisse Strukturen und die Geschichte des Urheberrechts. Ich fügte nur hinzu, dass das Urheberrecht einst zum Kopieren von Inhalten geschrieben worden ist. Es gab noch die Unterscheidung zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung geistigen Eigentums. Es ging speziell um digitale Medien, jedoch wurde schnell klar, dass auch die alten Datenträgersysteme wie Kassette und CD zur Nutzung von Kopien genutzt werden können.
Mir kam es oft so vor, dass speziell die Personen zu meiner linken Seite ein gewisse Angst gegenüber dem Internet hatten.
Aussagen wie: “Wenn etwas digitalisiert wird, dann ist es wertlos“ „Das Internet zerstört den Markt!“ „Die Jugend lädt Daten herunter und ist sich keiner Schuld bewusst“ „ Wir müssen das kriminalisieren“
Auch hier machten wir deutlich, dass es keine Kriminalisierung einer ganzen Generation geben kann.
Die Diskussion ging weiter und die Menschen am Tisch fragten jedoch speziell die Piraten nach einem Konzept und Ideen. Ich gab ihnen Konzepte und Ideen, wie Micropayment, Creative Commons, Itunes, Online-Werbung und eigene Webshops. Mir wurde dauerhaft entgegen geworfen, dass dies ja kleine/keine Konzepte sind.
Es wurde schnell klar, dass die Leute von der Politik eine vollständig wahre Aussage zur Lösung des Problems erwarten. Und ich sagte es den Menschen in den Gesprächen danach: „DIE GIBT ES NICHT!“ ; Jedoch wollte sie das nicht hören.

Gem4Azzen

Die beiden Herren, die sich als Urheber vorstellten, versuchten dauerhaft die GEMA als Wunderwerkzeug zu beschreiben, was mir irgendwie merkwürdig vor kam, da eigentlich kleine Künstler sehr unter der GEMA leiden und am liebsten nicht mit ihr zusammenarbeiten würden. Zumindest war das immer mein Eindruck, den ich aus Gesprächen mit kleinen Künstlern mitgenommen habe. Die Künstler müssen mit der GEMA zusammenarbeiten, ob sie wollen oder nicht, da sah ich das Problem.
Gelegentlich kam auch von den beiden „Urhebern“ Kritik an der GEMA. Als ich jedoch fragte: „Brauchen wir die GEMA überhaupt noch?“ Sprang eine Frau auf und bezeichnete mich als inkompetent und fragte mich, ob ich denn noch ganz sauber im Kopf bin. Sie wollte daraufhin wissen, womit ich mein Geld verdiene, was ich ihr natürlich nicht sagte, da ich es bei meiner Vorstellung schon gesagt hatte. Dank Malte, der in klarer Sprache die Frau zur Besinnung rief, konnte ich dann doch noch ausreden.
Danach wurde von einem der Urheber als Vertreter der Theorie des Fatalismus bezeichnet und gefragt, ob ich Neoliberalist bin. Dann gingen meine Warnlampen an. Warum reagieren die so konkret auf die Frage:“Brauchen wir die GEMA?“ Um es aufzuklären. Die beiden „kleinen“ Urheber waren gar nicht so klein. Einer war der so KLEINE Steffi Steffan und der andere hat auf Konzerten mit 400.000 Leuten gespielt.
Wir konnten noch ein wenig über die pauschale Abgabe für digitale Inhalte(nicht Kulturflatrate benutzen) diskutieren. Jedoch konnte ich nicht ansatzweise die ganzen Fragen unserer AG zu Urheberrecht an Malte weitergeben, was ich aber in einer Email tun werde. Leider :-(

Friendship is magic

Als ich sagte, dass es viele Künstler gibt, die ihre Kunst einfach umsonst ins Netz stellen und es gerne um sonst machen, weil nicht jede Kunst mit Geld bewertet werden kann, flippte die eine Frau nochmals aus. Ich fand es eher ziemlich lustig, da sie wahrscheinlich einfach schlechte Bücher schreibt oder schlechte Musik macht, die keiner hören will. Und nur weil man Kunst macht, muss man doch nicht Geld dafür bekommen, Was sollen die ganzen Graffitisprüher, Strassenmusiker, Djs(Remix Kultur haben wir gar nicht erst angesprochen–> I failed), Pixelkünstler, Blogger, Fotografen und FEFE, sagen ohne Geld dafür zu bekommen.
Und da ich selbst auch immer mit Künstler abgehangen haben, halte ich mich an das Motto:
„ALLES IST KUNST IM AUGE DES BETRACHTERS ;-)
Jeder kann heute einfach selbst Kunst machen, ob Musik, Malen, was auch immer. Jedoch kann nicht jeder Künstler damit Geld verdienen.

Es war eine spannende Diskussion und ich wusste, dass die Leute, die dort saßen nicht für die kleinen Künstler gesprochen haben, denn danach sind sie alle in ihre Autos gehüpft und ihre eigenen Häuser gefahren. Die „KLEINEN Urheber“ waren eher GEMAHobbyisten. Ich kenne genug Künstler, die mit der Zeit gegangen sind und ohne das Internet nie diesen Erfolg gehabt hätten. So what ! Neue Medien Neue Künstler Neue Trends Neue Stars [Ich sehe die Welt gerne mal einfach]
Das war mein persönlicher Eindruck der Veranstaltung. Viele neue Dinge gelernt. Den Veranstaltern ein großes Lob an die offene Diskussion. Eine offizielle Version werde ich noch schreiben.

zeroskillor

Alles Gute zum Tag der deutschen Wiedervereinigung

Heute feiert Deutschland den Tag der Wiedervereinigung. Deutschland, Europa und die USA, also die “westliche Welt”, haben sich in den letzten 20 Jahren seit dem zu noch demokratischeren Staaten entwickelt, die den Triumph der Prinzipien Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung und einem Rechtsstaat der sich dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit verpflichtet, über den Totalitarismus zeigen. Diese Erfolge der westlichen Welt in den Rest der Welt zu Tragen muss unsere Aufgabe sein.

 

 

Oder anders formuliert: Hoffe heute nicht zu viele Sprechakte von Politikern zu Demokratie ertragen zu müssen,während in USA/EU die eigenen Bürger verhaftet werden.

Wenn wir schon gerade hier sind …

Ein weiterer kurzer Erklärungsversuch zum Phänomen Piratenpartei

Einer der mittlerweile viel beschriebenen Gründe für Entstehung der Piratenpartei ist der, dass sich die Netzbewohner, die Digital-Natives, also diejenigen für die das Internet zu einem ganz normalen Teil ihrer Realitätskonstruktion gehört, das Gefühl hatten, dass von außen destruktiv in diesen Teil Ihre Lebenswelt eingegriffen wurde. Also eben jener Aktionismus aus der Politik und der Gesetzgebung, der auf einmal “dieses Internet” regeln zu wollen.

Um dies Nachvollziehen zu können, muss man aber zunächst verstehen, dass das Internet eben viel mehr als ein weiteres neues Medium ist.
Ich habe den Eindruck, dass diese grundsätzlich These, oder vielleicht sogar teilweise schon Einsicht, langsam, zumindest im intellektuellen Teil der Öffentlichkeit, zum Tragen kommt – was ich sehr erfreulich, aber auch notwendig finde.

1. Bundesparteitag 2011 der Piraten in Heidenheim

1. Bundesparteitag 2011 der Piraten in Heidenheim

Aber welche Bedeutung hat es dann, wenn man einen großen Teil seiner Sozialisierung in eben diesem Internet erfahren hat?

Man hat gelernt, dass Ideen, so sie den frei publiziert und kommuniziert werden, auf einmal sehr schnell Wirklichkeit werden können.
Daraus entsteht die Erkenntnis, dass freies Wissen eine Quelle der Erkenntnis und des Fortschritts ist. Als Beispiele sein hier die Open Source Bewegung oder Wikipedia
genannt. Diese Erkenntnis erscheint mir einer der Gründe zu sein, aus dem sich das Infragestellen des Urheber- und der Patentrechts bei den Piraten ergibt.

Neben vermutlich noch vielen weiteren Punkten, die man an dieser Stelle aufzählen könnte, lässt sich einer der (wirkungs)mächtigsten aus meiner Sicht am Begriff des “Selbstbewusstseins” erläutern.
Wie oben schon erwähnt, kann eine Idee im Internet, wenn Sie genug Menschen emotional erreicht und Resonanz erzeugt, innerhalb von Tagen oder Wochen konkret und wirklich werden. Und es können Dinge verändert werden.
Erfolgreiche Online-Petitionen, S21, aber auch der arabische Frühling haben dies gezeigt. Dies liegt daran, dass das Netz es ermöglicht, dass sich eine Gesellschaft, eine Gruppe, oder wie Stephan Urbach es genannt hat, ein dezentraler Cluster von Menschen, sich “ihrerselbst Bewusst wird” und dies macht sie “selbstbewusst ihre Idee in die Tat umzusetzen”, wie es Peter Kruse auf der re.publica 2010 in seinem Vortrag formulierte.

Durch die erwähnten Versuche der Politik in dieses Netz einzugreifen, fühlte sich ein Teil der “Netzbewohner” massiv in ihrer persönlichen Freiheit angegriffen und hat sich auf den Weg in die parlamentarische repräsentative Demokratie gemacht, um diese “Distanz Angriffe” dort zu verteidigen, von wo sie ausgingen. In der Politik angekommen wurde vielen dann bewusst, dass das politische System das Gegenteil von dem ist, wie sie es aus dem Netz gewohnt waren sich einzubringen und zu arbeiten: Intransparenz, Wissens- und Machtmonopole, starre und hierarchische Strukturen.

Gekommen die Freiheit im Internet zu verteidigen, schicken sich die Piraten jetzt an Politik und Gesellschaft zu verändern – Wenn wir schon gerade hier sind …

Diszipliniert die öffentliche Überwachung unsere Wahrnehmung? – Das Beispiel INDECT

Der folgende Gast-Artikel wurde als Essay von Marcus Rosenfeld verfasst.  Rosenfeld ist 28 Jahre alt und studiert Geschichte im Master of Arts Studiengang der Uni Münster. Vor seinem Studium hat er eine Ausbildung zu Buchhändler gemacht und arbeitet auch heute noch in diesem Bereich. Der Essay über das INDECT-Projekt entstand im Rahmen einer Übung zu “Mediengesellschaften in Geschichte und Gegenwart” und ist Ergebnis einer längeren Auseinandersetzung mit dem Thema.

Kaum ein Instrument staatlichen Handelns in der Moderne ist besser geeignet, dystopische Phantasien zu beflügeln, als die Öffentliche Überwachung. Unmittelbar drängen sich beim Lesen des Begriffs Bilder vom “Großen Bruder” Orwells, der “Schönen Neuen Welt” Huxleys oder des, von Bentham entworfenen und von Foucault interpretierten, “Panoptikums” auf. Das 2009 von der Europäischen Union ins Leben gerufene INDECT Projekt wird von seinen Gegnern in eben diese Traditionslinie gestellt. Ein kurzer Blick in die Schlagzeilen der Berichterstattung zu diesem Thema genügt um die These zu bestätigen: Für das Magazin WinFuture “forscht (die EU) an der totalen Überwachung”1, der britische Telegraph sieht die Erforschung einer “‘Orwellian’ artificial intelligence”2, die Zeit spricht vom “Traum der EU vom Polizeistaat”3, der CCC von “Mielkes Traum”4 und die TAZ schlicht und einfach von ”Schauerlichkeiten”5.

Es wäre natürlich einfach, unreflektiert in diesen Chor einzustimmen, aber an dieser Stelle wird eine andere Herangehensweise gewählt. Unter Berücksichtigung der Theorie von den Konstanten der Medienentwicklung von Siegfried J. Schmidt6, besonders der Disziplinierung der Wahrnehmung, wird am Beispiel des INDECT Projekts die Frage gestellt: Diszipliniert öffentliche Überwachung unsere Wahrnehmung? Unter Zuhilfenahme der Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaft soll in diesem Essay also ein Beitrag zum Verständnis der Rezeption moderner Überwachungstechnologie durch den Menschen und der darauf basierenden Veränderungen seines Verhaltens geleistet werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss an erster Stelle eine kurze Erklärung des Projekts und der zuvor erwähnten Konstante stehen. Das INDECT Projekt (Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment) ist ein von privatwirtschaftlichen Unternehmen, staatlichen Behörden und Hochschulen gleichermaßen unterstütztes Projekt und stellt eine Reaktion auf das gesteigerte Bedürfnis nach Sicherheit nach den terroristischen Anschlägen in Madrid, London und den gescheiterten Anschlägen in Deutschland dar. INDECT soll bestehende analoge und digitale Technologien der Datensammlung und Überwachung (Internetsuchmaschinen, Videoüberwachung öffentlicher Orte, Satellitenüberwachung, Gesichtserkennung etc.) vernetzen. Dadurch soll der Justiz ein effektives Mittel zur Aufspürung und Verfolgung potenziell Krimineller im öffentlichen und digitalen Raum bereit gestellt werden. Durch Befragung von Polizisten wird versucht, potentiell gefährliche Situationen und Verhaltensweisen von Personen im öffentlichen Raum zu definieren und die dabei gewonnenen Daten in Parameter zur Überwachung umzusetzen.
Diese werden dann auf den zu überwachenden Raum angewandt, um “abnormales” Verhalten zu erkennen und zu melden. Dieser Prozess soll vollständig automatisiert ablaufen. Die Ergebnisse sollen sowohl den zentralen Behörden (Polizei, BKA o.ä.), als auch den einzelnen Beamten vor Ort per Handgerät zur Verfügung gestellt werden. Nach der großen öffentlichen Kritik an dem Projekt wurde ein Ethikrat eingerichtet, welcher sich mit den gesellschaftlichen, politischen und juristischen Folgen des Projekts befassen soll. Dem Rat soll es gelingen, den projektinhärenten Spagat, die Erhöhung von Sicherheit mit der Wahrung von Datenschutz und Privatsphäre zu vereinbaren, zu meistern.7 Gerüchteweise war allerdings einer der ersten Schritte dieses nachträglich eingerichteten Gremiums Veröffentlichungspolitik des Projekts fortan zu überwachen. Dieser Vorwurf des EU Parlaments wurde allerdings vom Ethikrat des Projekts zurückgewiesen.8 Die folgenden Ausführungen zur Theorie von Schmidt sollen unter Berücksichtigung des erläuterten Hintergrund des EU-Projekts gelesen werden.

Nach Schmidt wird durch eine neue Technologie in einem ersten Schritt die Wahrnehmung der Individuen in Bezug auf Selbst- und Fremdwahrnehmung angepasst, sodass diese das neue Medium besser nutzen können. Beispielsweise ist das Erlernen von Lesen und Schreiben grundlegend für die Nutzung schriftlich fixierter Sprachzeugnisse und die Kommunikation durch diese. Bücher, Briefe oder andere Arten dieser Kommunikation setzten ein beiderseitig geteiltes Reservoir an Techniken und Fähigkeiten voraus, ohne die das Medium nicht effektiv genutzt werden kann. Durch eine solche individuelle Veränderung der Wahrnehmung wird in einem zweiten Schritt die gesamte Mediensozialisation einer Gesellschaft beeinflusst und somit eine neue Form der Erfahrung von Wirklichkeit generiert. So hat beispielsweise erst die Schrift das Konzept von außerkörperlich existentem Wissen ermöglicht und zur Wahrnehmung von Wissen als einem über-individuellem Gut geführt. Diese historisch-dynamischen Generierungsprozesse werden von sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen beeinflusst, denen in der Genese der jeweiligen Medientechnologie eine zentrale Rolle zukommt. Bei jeder neuen Disziplinierung dieser Art werden zuvor erworbene Medienkompetenzen weniger genutzt, was bei einer positiven Bewertung der bisherigen Wahrnehmungstechniken zu einer negativen Grundeinstellung gegenüber dem neuen Medium führen kann. Wenn sich Rezipienten von der Nutzung des neuen Mediums Zuwachs an „kulturellem Kapital“ versprechen, so wird die Disziplinierung der Wahrnehmung bzw. die Aneignung neuer medialer Wahrnehmungsformen wahrscheinlicher. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Aneignungs- bzw. Disziplinierungsprozessen verweist auf eine enge Beziehung der Instanzen „Medium“, „Normativität“, „Identität“ und „Kultur“, wie sie von Schmidt postuliert wird.

Nachdem nun die Theorie der Medienkonstante in der gebotenen Kürze vorgestellt wurde, wird versucht auf ihrer Basis mögliche Konsequenzen des INDECT Projekts für die Wahrnehmung der Menschen der EU zu diskutieren. Grundlegende Prämisse für alle folgenden Überlegungen ist, dass das System überhaupt eingeführt und akzeptiert wird. Eine Dysfunktionalisierung des Systems durch breites nonkonformes bzw. abnormales Handeln ist in den folgenden Gedanken nicht mit einbezogen. Es geht lediglich um eine Art Gedankenexperiment auf Basis der bisher vorgestellten Erkenntnisse.

Welche grundlegend andere Funktions- und Denkweise sich durch die modernen Mittel der Überwachung innerhalb des Sicherheitsapparats des States etabliert haben, beschreibt Zurawski ebenso drastisch wie zutreffend:

Neu an diesen “neuen” Überwachungsformen ist, dass für sie nicht länger die direkte Kontrolle durch Beobachtung zentral ist, sondern die Überprüfung bestimmter Sachverhalte. (…) Nicht eine spezielle Person steht unter Beobachtung, sondern jede Person innerhalb eines Beobachtungsraumes kann potenziell das Objekt einer Überprüfung anhand vorher festgelegter Parameter werden. Bei einer Übereinstimmung werden weitergehende Maßnahmen eingeleitet -Fehler eingeschlossen.9

Nimmt man diese Aussage ernst, so bedeutet das, dass Menschen sich im überwachten öffentlichen Raum fortan als Teil einer stets latent verdächtigen Masse verstehen werden. Da das INDECT Projekt dezidiert nach “abnormalem” Verhalten, wie beispielsweise zu langes Verweilen an einem Ort, das Zusammenstehen in großen Gruppen, das Sitzen auf dem Gehsteig oder das Stehenlassen einer Tasche, suchen wird, bedeutet dies zum einen zwangsläufig eine Anpassung der Körpertechniken des Menschen an die vom System gesetzte Norm. In einem zweiten Schritt werden aber auch kognitive Strukturen dauerhaft beeinflusst. In einer Gesellschaft, die sich selbst als unter ständiger Beobachtung und latentem Verdacht stehend versteht, werden abnormale Verhaltensweisen nicht nur von dem Individuum bei sich selbst beobachtet, sondern die Wahrnehmung des Gegenüber wird ebenfalls beeinflusst, insofern als das die neu gesetzte Norm auch als solche auf den Anderen angewandt wird, womit die Beobachteten gleichzeitig zu Beobachtern werden. Der Verdacht des Systems gegen die Maße wird so zu einem Verdacht des Einen gegen den Anderen transformiert.
Durch diese individuelle und, in einem zweiten folgerichtigen Schritt, gesamtgesellschaftliche Anpassung selbstverständlich ein Gewinn an Sicherheit im öffentlichen Raum, da verdächtiges Verhalten schnell und effektiv untersucht werden kann. Auf der anderen Seite hingegen steht die Frage, zu welchem Preis diese Sicherheit erkauft wurde. Folgt man Schmidt, so werden durch die neue Medientechnologie ältere Techniken verdrängt. In diesem Fall wäre das die menschlich-visuelle Überwachung mit der, im Falle von Verdachtsmomenten, angeschlossenen klassischen Ermittlungsarbeit der Sicherheitsbehörden. Bei INDECT wird der Mensch allerdings erst an dritter Stufe in dieses System eingeschaltet. Die ersten beiden Schritte fallen weg und mit ihnen ein zentrales Prinzip rechtsstaatlicher Arbeit: Die Unschuldsvermutung. Denn schließlich ist nach den Überwachungsparametern des Systems jeder solange potenziell verdächtig, bis er den überwachten öffentlichen Raum wieder ohne abnormales Verhalten verlässt. Das Prinzip in dubio pro reo würde durch ein in dubio pro securitate ersetzt.

Desweiteren wird eine Anpassung des Verhaltens durch den Menschen nach Schmidt noch durch einen weiteren Faktor wahrscheinlich. Folgt man Schmidt, wird die Nutzung und Inkorporation eines neuen Medium dann wahrscheinlich, wenn sich der Rezipient davon einen Zuwachs an kulturellem Kapital verspricht. Nun ist aber konsequent gedacht ebenfalls davon auszugehen, dass die Nutzung eines neuen Mediums dann wahrscheinlicher wird, wenn sich der potenzielle Rezipient durch die Nichtnutzung eine Verminderung seines bereits akkumulierten Kapitals als mögliche Folge sieht. Da bereits heute personenbezogene Daten jahrelang von der Polizei gespeichert werden dürfen, je nach Staat bzw. Bundesland unterschiedlich, so ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass Berichte über abnormales Verhalten gespeichert werden. Das Wissen um eine solche Speicherung und die eventuellen Folgen davon könnten sicherlich als eine Verminderung kulturellen bzw. symbolischen Kapitals gewertet werden. Eine Anpassung an das System wird dadurch nicht eben unwahrscheinlicher.

Es darf allerdings ebenfalls nicht vergessen werden, dass INDECT nicht nur eine Überwachung des materiell-öffentlichen, sondern auch des digitalen Raums vorsieht. So richtet sich das Projekt nicht nur gegen Offline-Kriminalität wie beispielsweise Terrorismus, sondern auch explizit gegen Onlinekriminalität. An dieser Stelle haben wir es mit einer strukturellen zweiten Medientechnologie für den einzelnen Menschen nahezu unmöglich macht, denn auch die digitale Welt soll fortan von den Sicherheitsbehörden der EU (genauer) überwacht werden. Allerdings ist eine konkrete Veränderung von Handlungsweisen im Internet unter Betrachtung der neuen Technologie nur mit Verzögerung zu erwarten. Schließlich ist die Überwachung im Internet weniger konkret und sichtbar. Es gibt keine sichtbaren Kameras, Polizisten, Drohnen oder ähnliche physische Repräsentationen des Systems, wodurch eine individuelle Auseinandersetzung mit der neuen Technologie zunächst nur auf einem theoretischen Level möglich ist. Das Internet, gerne verallgemeinernd als rechtsfreier Raum beschrieben10, würde damit stärker als bisher dem Zugriff staatlicher oder suprastaatlicher Institutionen unterworfen. Eine Anpassung an diese neuen Zustände durch den Nutzer des Internets erscheint da nur wahrscheinlich. Die Wahrnehmung des Internets als anonym, frei oder rechtslos würde sich zwangsläufig ändern.

Wie lässt sich nach diesen Überlegungen die Ausgangsfrage beantworten? Es erscheint einleuchtend, dass die öffentliche Überwachung im allgemeinen und INDECT im speziellen dazu geeignet erscheint, einen Prozess auszulösen, der von Siegfried J. Schmidt Disziplinierung der Wahrnehmung genannt wird. Die Überwachung öffentlichen Raums in der materiellen und digitalen Welt verändert die Wahrnehmung dieses Raumes durch das Individuum und die Gesellschaft und damit auch die Art des Umgangs mit diesem Raum. Desweiteren erscheint es auch plausibel davon auszugehen, dass Individuen ihr Verhalten verändern, um nicht den Suchparametern des System zu entsprechen und somit einer eventuellen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Diese Veränderungen in Wahrnehmung und Verhalten können nach Schmidt als Disziplinierung der Wahrnehmung charakterisiert werden. Ferner findet eine grundsätzliche Veränderung der Wahrnehmung nicht nur des Raumes und der eigen Person, sondern auch des Gegenübers statt, der fortan nach den neuen Normkriterien wahrgenommen und bewertet würde.

Nach diesen Erkenntnissen kommt man nicht umhin, auf die moralischen Implikationen einer solchen Wahrnehmungsdisziplinierung zu verweisen. Auch wenn Schmidt unpolitisch und ohne moralischen Impetus formuliert hat, so kann bei INDECT eine emotional-moralische Komponente in der Diskussion nicht verleugnet werden. Der Generalverdacht, den das System in seiner Arbeitsweise impliziert, überträgt sich auf das einzelne Individuum, wodurch in letzter Instanz die demokratische Unschuldsvermutung ausgehöhlt wird. Die Veränderung in der Wahrnehmung der Gesamtgesellschaft, hin zu einem Status beständiger Beobachtung, lässt eine Veränderung hin zu einem Klima der Bedrohung und des Misstrauens wahrscheinlich werden. Wohlgemerkt soll es hier nicht darum gehen, den Forschern antidemokratische Tendenzen zu unterstellen, allerdings scheint das Potenzial zum Missbrauch bzw. die negativen Implikationen in diesem Fall besonders hoch zu sein. Aus  diesem Grund muss man, abschließend noch einmal mit Schmidt gesprochen, wenn man auf den Prozess der Genese dieser Medientechnologie einwirken möchte, an den sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen arbeiten, die den prozessualen historisch- dynamischen Rahmen des Projekts ausmachen. Nur durch aktive Partizipation an diesem Prozess ist eine Veränderung der Medientechnologie möglich, in welche Richtung auch immer.

  1. winfuture (2009): Project Indect: EU forscht an totaler Überwachung. In: http://winfuture.de/news,50136.html (Letzter Aufruf 10.02.2011) []
  2. Johnston, Ian (2009): EU funding ‘Orwellian’ artificial intelligence plan to monitor public for “abnormalbehaviour”. In: http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/6210255/EU-funding-Orwellian-artificial-intelligence-plan-to-monitor-public-for-abnormal-behaviour.html . (Letzter Aufruf 10.02.2011) []
  3. www.zeit.de(2009): Indect– der Traum der EU vom Polizeistaat. In: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2009-09/indect-ueberwachung? (Letzter Aufruf 10.02.2011) []
  4. Kappes, Michael (2011): Vorratsdatenspeicherung 2.0 – Themenspezial Überwachung INDECT. In: http://www.readers-edition.de/2011/02/10/voratsdatenspeicherung-20-themenspezial-ueberwachung-indect (Letzter Aufruf 10.02.2011). []
  5. Salter, Thomas (2009): Die moderne Verbrecherjagd. In: http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/die-moderne-verbrecherjagd (Letzter Aufruf 10.02.2011). []
  6. Vgl.: Schmidt, Siegfried J. (2000): Kalte Faszination Medien – Kultur – Wissenschaft in derMediengesellschaft, Weilerswist. []
  7. Die Aussagen zu Charakter und Inhalt des Projekts basieren auf der Homepage des Projekts:http://www.indect-project.eu/, sowie den von der Piratenpartei veröffentlichten internen Papern des Projekts,welche online einzusehen sind: http://files.piratenpartei.de/indect (Letzter Zugriff 10.02.2011); http://www.asta.uni-wuppertal.de/stupa/wp-content/uploads/2009/11/indect-ethical-issues_14nov2007.pdf (Letzter Zugriff: 10.02.2011)  []
  8. http://www.indect-project.eu/events/global/european-parliament-answers-to-written-questions-part-2 (LetzterZugriff: 10.02.2011 []
  9. Zurawski, Nils (2007): Wissen und Weltbilder. Konstruktion der Wirklichkeit, cognitive mapping undÜberwachung. Was Karten uns über Überwachung und Sicherheit sagen. In: Zurawski, Nils (Hg.): SurveillanceStudies. Perspektiven eines Forschungsfeldes. Opladen / Farmington Hills. []
  10. Praktisch ist dies als Mythos anzusehen, wenn nicht spezielle Anonymisierungsprogramme eingesetzt werden.Vgl. dazu: Bremer, Karsten (2010): Strafbare Internetinhalte in internationaler Hinsicht. Ist der Nationalstaat wirklich überholt? Frankfurt a.M., bes. S.66ff. []

Merkels moratoriums neusprech mem fail

Wenn ich gerade Rund um die jüngsten Ereignisse in Japan und die Debatte um den deutschen Atomausstieg, mal wieder die Sprache unserer Politiker höre, führt das teilweise bei mir zu ernsthaften Schmerzen. Glücklicherweise hat mir MaHa, vor ein paar Jahren auf dem CCC Kongress in seinem Beitrag “Neusprech im Überwachungsstaat - Politikersprache zwischen Orwell und Online“, einige nützliche Techniken zur Analyse von Sprache gezeigt, die wenn prakatiziert, die Schmerzen etwas lindern können. Leider ist mir die ganze Rhetorik Terminologie inzwischen wieder etwas verloren gegangen, daher werde ich mich in das folgende Interview mit Bundeskanzlerin Merkel, welches Ulrich Deppendorf gestern Abend mit ihr geführt hat, nachträglich einschalten um etwas  zu kommentieren und nachzufragen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=m6JSD2mok0A

Die Fragen von Herrn Deppendorf habe ich in Headlines kurz zusammengefasst und meine Kommentare dazwischen gehauen.

Was geht denn auf einmal mit Euch?

Ich hab ja bereits am Samstag gesagt wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und

Wir tun was!! Kommt immer gut – nicht schlecht!

Sicherheit ist das oberste Gebot.

Das ist ja schön, aber gilt das auch für dich und deine Bundesregierung?

Und genau in dieser Folge liegt jetzt auch diese Entscheidung.

Tja ganz schön hart die Volksoportune zu spielen, was?

Japan ist ein Einschnitt.

Jo, in der Erdkruste … nix Neues.

Japan beschäftigt nicht nur uns in Deutschland, sondern die ganze Welt.

Ach… ist das bei dir jetzt auch angekommen? Twitter ist cool, was?

Und jedes Land hat jetzt die Pflicht, daraus die richtigen Lehren zu ziehen.

Du bist gerade massiv umgefallen – etwas mehr Demut stünde dir ganz gut zu Gesicht … Von daher würde ich Dir dazu Raten mal nen Gang runter zu schrauben und nicht den anderen erzählen, was ihre Pflichten sind.

Und für mich heißt diese Lehre, alles überprüfen was möglich ist, im Blick auf die Sicherheit, und dazu brauchen wir dieses Moratorium.

Wieso braucht es dazu ein Moratorium. Da ihr ja afaik drüben kein Latein gelernt haben, helfe ich mal gerade auf die Sprünge: Moratorium leitet sich von lateinisch morari ab was soviel wie verschlepppen, aufschieben oder verzögern heißt…

 

Am Ende wird die Welt eine Andere sein – Wir schalten also die alten Kisten ab?

Was das genau bedeutet, das kann ich erst am Ende des Moratoriums sagen.

Und was meintest Du dann mit, die Welt wird eine Andere sein??

Was ich sagen möchte ist, es gibt keine Tabus, wir wollen eine ehrlich Energiepolitik machen, dass heißt wir wollen unsere Energie nicht aus Kernkraftwerken um Deutschland herum importiere,

  1. Ich glaube nicht dass die Tatsache dass es woanders auf der Welt Atomkraftwerke gibt ein Tabu ist, aber wenn das für dich ein Tabu war, schön dass du es überwunden hast und nun frei drüber sprechen kannst.
  2. Und wer hat die Idee Atomstrom aus dem Ausland zu beziehen? Ich nicht … ich rechne für 80% Wasserkraft und 20% Windenergie ab…

… aber wir wollen eben auch alles tun um die Sicherheit zu überprüfen, zu gewährleisten und mit Sicherheit wird es in dem einen oder dem anderen Fall zu Konsequenzen führen,

Glaubst du ernsthaft dass der Mumpitz besser ankommt oder richtiger wird, wenn du versuchst möglichst oft das Wort Sicherheit einzubauen?

in wie vielen und wie genau, das Bedarf dann der Arbeit im Moratorium.

Carve (wieder latein sorry): Moratorien verschleppen auch schonmal Arbeit.

Und gleichzeitig wird das Moratorium genutzt werden um nocheinmal zu schauen können wir schneller das Zeitalter der erneuerbaren energien zu erreichen.

Yeahhh … so langsam würde es mich echt mal interessieren, was du eigentlich mit diesem Moratorium meinst, aber das scheint ja ganzschön funky zu sein. Kann es twitter?

[...]

und so geht das dann noch ewig weiter… Da fallen mir mal wieder die Fantastischen Vier ein “Du redest viel, aber sagst gar nix”

 

Why we need cooperation in cyberspace?

The last year was the cyberwar hype year, nearly everyday new articles were published about the danger and also about the hype of cyberwar. The truth lies between this two positions because it is very difficult to understand this topic.

Firstly, these definitions for cyberwar and the law framework are at the beginning.

Secondly, only insiders of army and intelligence communities are able to estimate the real offensive capabilities of nations.(But they will not prepare the treaties)

Researchers at universities are struggling with these communities in their research. This made it very hard to understand this topic. Now, universities are starting unclassified projects but the capabilities of some states where build up in the past ten years, so there is numerous of work to do for researchers.

It is the task of all people from the Internet to break up the information wall between open information and closed information in cyberspace to a rational point.
Another goal should be to overcome the drift between Information technology and politics. Information technology researchers have not spoken for a lot of years with researchers from other disciplines and vice versa. It exists a communication barrier between them because one group cannot understand the other group. It could be a result of the classified communication system which are not intended to create a open and wide discussion about this topic. And for some researchers cyberwar is hard to understand because you need a lot of technical knowledge to understand cyber war.

Conclusion:

In conclusions, intelligence communities are aware of cyberwar for a long time and they have done much research but for normal researchers this is a barrier because not everybody can take a look at their knowledge, this makes an open and worldwide discussion nearly impossible. The Internet as we know exists for a long time and the information security community was aware of a lot of problems in cyberspace but the researchers in law or international politics were not able to communicate because the communication platform was not there. So we have two large barriers in order to do research for cyberwar in cyberspace:

  1. Mostly all relevant offensive and defensive capabilities are classified— a significant problem for people who want to prepare international treaties.(keyword: transparency and confidence)
  2. The interdisciplinary communication was impossible because law makers and researchers in non-technical studies were not able to talk to the information security people because there is a knowledge barrier of ten years or more. (Problem of non -interdisciplinary studies)

The word “cyberwar” was used as a synonym for wikileaks, DDos attacks, script kiddies, Stuxnet and cyberespionage for this reason the word “cyberwar” was over-hyped and until now undefined. This is a very uncomfortable situation for all people who are using the Internet. Without a clear definition other people can use the words for their interests.

We have to be aware of the different parts of our Internet. We also have to work as a community- we need bloggers, army, politics, law makers, NGOs, foundations, hackers and several more people to analyze this new situation.

Cyberspace has not only some special technical attributes like the transportation of information with the speed of light, it has also the attribute that different people and groups are using this great invention. The “new” Internet was made out of cooperation and will survive only with cooperation! Let us use our global network to get behind the cold cyber– curtain. Indeed the army and the intelligence community need their space in cyberspace but at first the Internet is an open and public environment and not a battleground.

We will soon publish a paper about advantages for the cybercrime community from the distrust of all nations in cyberspace and the non cooperation of legal enforcement!

[update: Bruce Schneier about the problem of a definition of cyberwar Cyberwar ]

THX @alios to use his platform to publish my opinion!

Florian Grunert is a student of international politics and philosophy. He is doing research and analyzing studies about cyberwar and related topics. You can visit the page www.study4cyberwar.com for more information.

Florian Grunert: www.study4cyberwar.com
twitter: zeroskillor
mail: fgrunert@uni-osnabrueck.de

Vorbild Piraten Landesverband NRW

aus meiner Mail an die Piraten NRW Mailingliste heute…

Gerade in Berlin weilend habe ich gestern in einem Gespräch zwischen Berliner Piraten gehört, dass wir NRW Piraten als “Vorbild” in der Argumentation einer Diskussion dienen können… Zwecks Anregung zur Selbstreflektion vor dem kommenden Parteitag in Gelsenkirchen, spiele ich gerne den Proxy, und forwarde die angesprochene Diskussion, der Netzneutralität verpflichtet so ungefiltert und unkommentiert wie möglich, hier auf die Liste.

In Berlin findet demnächst auch eine Landesmitgliederversammlung statt, bei dem u.A. die Landesliste für die Wahl zum Abgeordneten Haus (Landesparlament) am Ende des Jahres, gewählt werden soll. Im Vorfeld ist es in guter alter Piratentradition zu einer Diskussion um das richtige Wahlverfahren gekommen (wobei vor der LMV zu während der LMV schon ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung ist ;) ).

Einer der Vorschläge war, dass sich Teams, die sich im Vorfeld bilden, gemeinsam einer Akzeptanzwahl stellen (die Möglichkeit in mehreren Teams zu sein soll dabei nicht ausgeschlossen sein), um so auch die Piraten von einer Kandidatur zur überzeugen, die Vorbehalten hatten, ob sie sich in einem vorher völlig unbekannten Team im Wahlkampf und evtl. später in der Fraktion so einbringen können, wie sie es wollen würden…

Dieser Vorschlag wurde hitzig diskutiert und es gab viele Kritikpunkte, die ich hier nicht alle im Detail aufführen möchte. Vielmehr möchte ich hier ein Argument raus picken, welches mich sehr zum Nachdenken gebracht hat und von dem ich mittlerweile Glaube, dass es eines der Stärksten ist:

Durch die Bildung von Teams wird es zu einem internen “Wahlkampf” kommen, was ja grundsätzlich erstmal nicht schlecht ist, wenn intern diskutiert und gestritten wird. Zum Problem kann es aber am Ende werden, wenn eine Situation entsteht, in der die (unreflektierten) emotionalen Spuren, die dieser Prozess bei vielen Beteiligten  hinterlassen hat, in Kombination mit der Situation, dass es Verfahrensbedingt faktisch ein Gruppe von “Gewinnern” und eine von “Verlierern” geben wird und dass wenn es schlecht läuft es zu einer Spaltung kommen kann, die so massiv ist, dass es zum Zusammenbruch jeglicher “Produktivität” führt.

Das Zitat auf das ich hinaus wollte, ohne Anspruch auf 100%-igen Wortlaut, war: “[...] Guck dir die Scheiße in NRW an. Deren Crew-Kreisverband Fuckup hat dazu geführt, dass der Landesverband faktisch tot und handlungsunfähig ist. Das ganze ist so massiv, dass eine Wiederbelebung nur möglich erscheint wenn es zu einer Trennung kommt und eine oder mehrere Gruppen den Landesverband verlassen. [...]”

Ich spare mir jetzt Hoffnungstiftende Worte am Ende, hoffe aber, dass ich das ganze so wieder geben konnte, dass es bei dem Einen oder dem Anderen, genau wie bei mir, zu einer neuen Nachdenklichkeit im Bezug auf unseren LV führt.

3 Mitglieder der Piratenpartei Tunesien von Polizei verschleppt

Logo Piratenpartei Tunesien

Logo Piratenpartei Tunesien

Wie die Piratenpartei Tunesien gestern in einer Pressemitteilung bekannt gab sind gestern, am 6.1.2011, 3 ihrer Mitglieder Slah Eddin Kchouk, Azyz Ammami und Slim Ammamou von der tunesisichen Polizei verhaftet worden. Der Aufenthaltsort der 3 sei auch den Familien nicht bekannt, wie es in einer Pressemitteilung der tunesisichen Piraten heisst.

Die drei Aktivisten hatten sich, nach den sozialen Unruhen, die am 18. Dezember letztes Jahr in vielen Städten wie Sidi, Bouzid, Siliana und Thala statt fanden, an der Veröffentlichung von Videos und Informationen beteiligt, die zeigen sollen, wie junge Demonstanten von der Polizei erschosschen werden.

Des weiteren haben sich die Piraten an der Verteilung von USB Sticks und CD-ROMs an Schulen und Universitäten beteiligt, die z.B. die Software TOR enthalten, die ein annonymes Surfen im Internet, sowie die Umgehung von Zensur- und Filterinfrastruktur im WEB ermöglicht.

Slim Amamou

Slim Amamou

Azyz Ammami (rechts)

Azyz Ammami (rechts)

Slah Eddin Kchouk

Slah Eddin Kchouk


Updates

The Operation Payback kids are lame loosers

This intention of the subject of this post was just a try to get the attention of a special group of people, not to start a flame war or shitstorm ;)

I must say that watching shuting down mastercard, visa and paypal made me laugh and watching “the power of the net” was interesting. But from a technical point of view its not very intelligent or interesting to instruct nodes of a botnet to open sockets a and tip out /dev/random into it.

In those DDOS Botnets there is no interesting internode communication etc. So no chance to draw fancy graphs to realy experience the network ;) All you can see is packet loss to a ip or network… lame stuff

I want to call all operators of Operation Payback nodes to also install a bittorrent node. Most recent Bittorrent Protocol implementations have sophisticated stuff like distributed hash tables, neural network based peer weighting, encryption etc. A good starting point ist this file which contains torrents of all dokuments ever released by wikileaks so far (local mirror).

Lets build cool clouds in our internet, lets build our own storage and processing clouds – lets be productive not destructive, i think the story about paypal has shown, that *they* ™ noticed what we are able to do – when we want.