Am Wochenende des 11.-13. September 2009 fand in Berlin die Demonstration „Freiheit statt Angst“ statt. Ich war am Freitag gegen Abend in Berlin angekommen und kam am frühen Samstag Mittag mit der U-Bahn am Potsdamer Platz an, von dem aus die Demonstration starten sollte. Beim Betreten des Platzes zwischen Sony Center und Daimler Chrysler City wurde ich von einem Polizisten der Bereitschaftspolizei freundlich angesprochen, ob er einen Blick in meinen Rucksack werfen dürfe. Ich gestattete ihm dies ebenso freundlich. Während er den Inhalt meines Rucksacks untersuchte (eine Regenjacke, eine Wasserflasche) fragte er, ob ich irgendwelche spitzen Gegenstände mit mir führte. Tatsächlich hatte ich – wie immer – mein Leatherman Tool, eine Art Multifunktionswerkzeug, im Rucksack. Dies gab ich an und suchte es auf Nachfrage aus dem Rucksack. Ich erklärte mein Leatherman dem Polizisten, der das Werkzeug nicht kannte und zeigte ihm auch, dass sich ein Messer zwischen den Werkzeugen befindet. Der Polizist begutachtete das Tool und erklärte mir dann, dass das Mitführen eines Messers auf Demonstrationen nicht erlaubt sei. Er fragte, ob ich das Messer noch schnell nach Hause bringen könnte. Das konnte ich nicht, denn ich bin ja kein Berliner. Der Polizist bot mir daraufhin an, das Messer bei der Polizei vor Ort abzugeben und es nach der Veranstaltung wieder abzuholen. Ich willigte ein.
Gemeinsam gingen wir um die Ecke in die Potsdamer Straße, wo mehrere Einsatzwagen der Polizei standen. Der mich begleitende Polizist erklärte seinen Kollegen, dass ich das Tool abgeben wolle. Der Ton der dort wartenden Beamten war deutlich unfreundlicher, ich wurde abgetastet und sollte meinen Rucksack in einen der Mannschaftswagen stellen. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass dies aus Sicherheitsgründen geschehe, damit ich keine Waffe aus dem Rucksack ziehen könne. Meinen Personalausweis stellte ich bereitwillig zur Verfügung, um das Ausstellen der Formulare zu erleichtern. Während nun ein weiterer Polizist abseits an einem anderen Wagen die Formulararbeit machte, erklärte der Beamte, der mich ursprünglich angesprochen hatte, seinen Kollegen, dass er das Tool nicht gefunden hätte, sondern dass ich es ihm ausgehändigt hätte, wonach die Behandlung und der Ton mir gegenüber deutlich freundlicher wurde.
Ich erkundigte mich, wo ich das Tool später wieder abholen könne. Ich könne es im “Abschnitt 34″, Alt Moabit 145 wieder abholen, wurde mir mitgeteilt. Dann wurde ich gefragt, ob ich “schon mal Kontakt mit der Polizei” gehabt habe: Nein. Auf Nachfrage, warum mir diese Frage gestellt wurde, sagte mir der Beamte, dass eine routinemäßige Kontrolle über Funk meiner Person erfolgen würde. Kurze Zeit später kam der Polizist mit dem Formular wieder und eröffnete mir, dass über Funk die Order ergangen sei, dass gegen mich eine Anzeige geschrieben werden müsse. Ich war total entsetzt, doch die umstehenden Polizisten versicherten mir, dies sei kein Problem und nur ein formaler Akt; die Staatsanwaltschaft würde das Verfahren voraussichtlich automatisch wieder einstellen.
Meinen Schrecken minderte das wenig, doch als erstes sollte ich das Protokoll über die, wie es mittlerweile hieß, “Beschlagnahme” des Tools unterschreiben, was ich auch tat. Wider Erwarten durfte ich nun nicht zur Demonstration gehen, sondern musste mit aufs Polizeipräsidium kommen, ein Fahrzeug war bereits auf dem Weg, um mich abzuholen. Der Polizist, der mich am Platz angesprochen hatte, registrierte meine aufkeimende Panik und versuchte, mich zu beruhigen. Auch er habe damit nicht gerechnet. Aber er könne nichts tun. Dies sei eine Anweisung “von oben”.
Eine Anweisung von oben war offensichtlich auch der vergitterte Wagen, in dessen Zelle ich eingeschlossen und abtransportiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nichts mehr bei mir außer den Durchschlag des Formulars über die Beschlagnahme. Mein Rucksack mit komplettem Inhalt (Handy, Fotoapparat, Schlüssel, Geldbörse etc.) hatte der Beamte in der Fahrerkabine. Ich studierte den Durchschlag: Dort war angekreuzt: Festgenommen. Nun brach ich erstmal vollständig zusammen… Auf Nachfrage, was mir vorgeworfen würde und warum ich festgenommen sei und warum ich in einer Gefängniszelle sitze wurde mir gesagt, dies würde ich auf dem Präsidium erfahren, es sei aber alles nicht so schlimm und festgenommen höre sich viel schlimmer an als es sei.
Der Wagen wollte gerade losfahren, hielt dann aber noch mal wieder an – es sei noch zu einer weiteren Festnahme gekommen und wir müssen noch kurz warten um eine weitere Person mitzunehmen. Der Polizist der bis dahin noch mit hinten im Wagen (außerhalb der Zelle) saß und sozusagen meinen einzigen Ansprechpartner dar stellte, verließ daraufhin das Fahrzeug wieder und ließ mich allein. Total aufgelöst versuchte ich den Beamten vorne im Fahrzeug anzusprechen: was los sei und ob ich noch mal an die frische Luft könne, da mir schlecht sei von der stickigen Luft (und der Situation) sei. Erst nach mehrmalige Ansprache sagte er kurz es ginge gleich weiter und schob das Sichtfenster zwischen Fahrer Bereich und dem hinteren Teil des Wagens zu.
Nach geschätzten 10 Minuten stiegen der Beamte von zuvor, eine Kollegin und ein weiterer scheinbar festgenommener Junge ein Wir fuhren darauf hin los. Nach etwa 10min Fahrt kamen wir an einer PolizeiwWache an und wurden hinein geführt. Nach kurzem Warten vor einer Tür wurden wir herein gelassen und ich wurde in eine Zelle geführt,die Tür wurde hinter mir verschlossen. Kurz Zeit später wurde ich wieder aus der Zelle geholt und sollte mich auf dem Flur vor eine Wand stellen, wo ein Beamter mit einer Digitalkamera Fotos von mir machte. Anschließend wurde ich wieder in die Zelle zurück geführt. Nach geschätzten weitern 10 Minuten wurde ich in einen weiteren Raum geführt, wo zwei Beamten auf mich warteten. Mein Rucksack wurde nun noch mal vollständig entleert und der Inhalt protokolliert. Während dessen fragte mich einer der Protokoll führende Beamte ob ich mit einer Blutprobe einverstanden sei; ich fragte, wozu. Mir wurde erklärt, dies sei eine StandardfFrage für ein Standardformular und es würde jeder gefragt. Darauf verweigerte ich die Entnahme eine Blutprobe formell, was in dem Formular vermerkt wurde.
Im Anschluss wurde ich aufgefordert mich bis auf die Unterhose auszuziehen (das Recht diese doch recht unangenehme Situation verweigern zu können kannte ich zu dem Zeitpunkt leider nicht) und meine Anziehsachen wurden erneut durchsucht. Nach kurzer Zeit erhielt ich sie zurück, durfte ich mich wieder anziehen, musste noch meinen Gürtel und meine Schnürsenkel abgeben und unterschrieb das Protokoll in dem alles was ich bei mir hatte aufgeführt war.
Mein Frage was mir denn nun vorgeworfen würde konnte der Beamte wieder nicht beantwortet: “das wisse er nicht, er sei nur dazu da meine Sachen aufzunehmen”. Ich fragte was den nun passieren würde und er sagte mir, dass ich vermutlich gleich befragt würde und ich dann auch Antwort auf meine Fragen erhalten würde. Ich schilderte den beiden anwesenden Beamten noch mal den Sachverhalt und sie erklärten mir, ich würde bestimmt schnell wieder entlassen, er führe schließlich auch meist sein Taschenmesser mit sich und ich hätte es ja freiwillig abgegeben.
Nach dem ich anschließend wieder in eine Zelle gesperrt worden war, begann das lange Warten. Von Zeit zu Zeit wurde die Tür kurz geöffnet und direkt wieder geschlossen – bei jedem Mal dachte ich, es würde nun endlich weiter gehen und ich würde endlich erfahren, was mir eigentlich vorgeworfen wurde, dem war aber leider nicht so. Als wieder einmal die Tür geöffnet wurde, fragte ich schnell nach der Uhrzeit – es war mittlerweile 16.15 Uhr. Ich saß also mittlerweile seit fast 4 Stunden fest und wusste immer noch nicht, warum. Es muss etwa 17.00 Uhr gewesen sein, als ich endlich aufgefordert wurde, mitzukommen. Meine Hoffnung nun endlich mit einem Ermittler sprechen zu können um den ganzen Sachverhalt aufzuklären, wurde aber leider wieder enttäuscht. Stattdessen wurde in einen Raum, ein Stockwerk tiefer, zum “LKA Berlin Erkennungsdienst” geführt.
Auch den drei Beamten dort schilderte ich unter Tränen nochmals den ganzen Sachverhalt und fragte, ob ich der Erkennungsdienstlichen Erfassung denn wenigstens formell widersprechen könne, da es sich doch ganz klar um ein Missverständnis handele – dies wurde verneint und ein Schild an der Wand wies mich mittels eines Paragraphen darauf hin, dass die Erkennungsdienstlichen Maßnahmen notfalls auch mit Gewalt durchgeführt werden könnten. Ich könne aber mit Hilfe eines Anwalts im Nachhinein der Maßnahme widersprechen, wozu er mir auch raten würde. Meine Frage, wer die Maßnahme angeordnet hätte, wurde mir mit einem Buchstabenabkürzung beantwortet, deren Bedeutung mir die anwesenden Beamten aber nicht erklären konnten oder wollten. Es wurden meine Fingerabdrücke von beiden Händen (alle Finger und komplette Hand), in doppelter Ausführung genommen, sowie erneut Fotos, offensichtlich für die Verbrecherkartei,gemacht.
Zurück in der Zelle betätigte ich nach kurzer Zeit die Klingel, es muss mittlerweile etwa 18.00 gewesen sein, um darum zu bitten meinen Rechtsanwalt anrufen zu können, da ich anfing zu befürchten auch noch die Nacht in der Zelle zuzubringen zu müssen. Wieso hast du das denn nichtvorher gefragt? Kommt hier komisch. Dies konnte der Polizist nicht entscheiden, versprach mir aber, seinen Vorgesetzten zu informieren und ihn zu mir zu schicken. Als nach einer geschätzten halben Stunde immer noch nichts passiert war, schellte ich erneut – ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt schon völlig ausgelaugt und fertig, was man mir auch anzusehen schien, da die Beamtin mit der ich sprach mir sagte es würden „jetzt erstmal die Sanitäter kommen“.
Zum Glück bestätigte sich meine erste Befürchtung, nun auch noch in eine psychiatrische Klinik verlegt zu werden, nicht (nichts erschien mir mehr unmöglich), sondern der Polizeisanitäter holte mich ab und wir gingen in seinen Behandlungsraum. Physiologisch wies ich zu diesem Zeitpunkt eine ausgeprägte Hypertonie (hoher Blutdruck) und einen sehr schnellen Puls auf. Die Vermutung, dass ich vermutlich absolut dehydriert war, schien plausibel, denn außer eine Tasse Kaffe zum Frühstück und einen kleinen Plastikbecher Tee, den ich nach mehrmaliger Nachfrage erhalten hatte, hatte ich den ganzen Tag noch nichts getrunken. Hier kam ich das erste Mal wieder etwas zur Ruhe und hatte das Gefühl als Mensch ernst- und wahrgenommen zu werden. Der Beamte sagte mir dann auch, dass er gehört hätte, dass ich vermutlich in der nächsten Stunde entlassen würde.
Nach einem anschließenden weiteren kurzen Aufenthalt in der Zelle erhielt ich gegen 19.30 tatsächlich alle meine Sachen (bis auf das Leatherman Tool) zurück und konnte die Polizeiwache verlassen.
Bis zum heute weiß ich nicht was mir eigendlich vorgeworfen wurde. Meinen Anwalt habe ich bereits kontaktiert und es wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen wie es weiter geht. Mein vorrangiges Ziel ist natürlich mit meinen Fingerabdrücken und meinen Fotos wieder aus der Datei des LKAs heraus zu kommen.
Ich kann sagen, daß die Ereignisse vom Samstag das schlimmste sind was mir in meinem Leben bisher passiert ist. Die Aussage das Freiheitsentzug mit das brutalste ist, was man einer menschlichen Seele antun kann, kann ich voll bestätigen – nie zuvor habe ich mich so ängstlich und hilflos gefühlt.
Das man Angst haben muss, und die habe ich im Moment noch, auf einer friedlichen Demonstartion scheinbar grundlos von der Polizei verprügelt oder verhaftet zu werden, kommt in meinen Augen faktisch einer massiven Einschränkung des Demonstrationsrechts gleich.
Ebenfalls schockierend fand ich wie der Staatsapperat einmal ins Rollen gebracht, nicht wieder zu stoppen war. Persöhnlich kann man wohl kaum einem der Beteiligten der Exekutive einen Vorwurf machen – ein Jeder der Beteiligten konnte sich darauf berufen nur Befehle und Anweisungen ausgeführt zu haben. Diese Argumentation habe ich bisher nur von Angehörigen ehemaliger Unrechtsregimen gehört – ich habe mir eigendlich immer verboten ernsthaft zu glauben, daß so etwas im Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland tatsächlich möglich ist – wurde aber schmerzlich eines besseren belehrt.

Posts


Diese “Zuständigkeitskette” kommt mir bekannt vor. Auch wenn das bei uns damals nicht so lange gedauert hat und wir auch zum Glück nicht mit aufs Präsidium kommen oder erfasst werden mussten.
15. September 2009 @ 14:11
Mega Krass. Tut mir voll Leid für dich. Hab schon beim lesen gänsehaut bekommen, kaum vorzustellen wie du dich gefühlt haben musst
15. September 2009 @ 15:22
Die Geschichte berührt mich doch sehr.
Ich habe mir erlaubt den “share this” button zu nutzen und dies in meinem facebook Profil zu veröffentlichen.
Werde den Inhalt in Auszügen auch über meinen Blog weiterverbreiten, mit Verseis auf Deine Seite.
15. September 2009 @ 15:40
Das sollte erstens auf die Bundesseite, zweitens sollten das alle Landesverbände posten. Drittens bitte an die Presse weitergeben.
15. September 2009 @ 15:40
Deine Festnahme war rechtmäßig. Es ist verboten Waffen zu einer Demo mitzubringen (sogar Glasflaschen und Dosen waren verboten). Ein “Schweizer Messer” ist auch eine Waffe und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Dass du da im Unklaren gelassen wurdest ist bedauernswert. Und die Unwissenheit des Polizisten, der dich am Anfang kontrolliert hat, ist wohl die Höhe. Insgesamt eine Verkettung unglücklicher Umstände und eine gute Lehre nicht so naiv zu sein.
15. September 2009 @ 15:40
tja, was soll ich sagen…
erstmal, herzlich willkommen in der “limo” datei (links motivierte gewalttäter)!
zum einen natürlich alles gute für dich, zum anderen bin ich auch ein bischen erfreut (ja, hört sich scheisse an, nich persönlich nehmen) das auf dieser demo das, was andere (ich z.b.) ständig auf demos und auch im alltäglichen leben erleben, mal im “mainstream” angekommen ist!
ja, bullen nehmen willkürlich fest!
ja, bullen stecken dich in irgendwelche karteien aus denen du nie wieder raus kommst!
ja, bullen verdreschen “einfach so” leute!
ich hab das erste mal auf nem revier aufs maul gekriegt, da war ich noch keine 16! einfach weil ich ein punk war – einfach auf der strasse eingesackt, mit aufs revier, rumgeschubst, faust ins gesicht und mit fusstritt wieder raus… aber keine anzeige, keine formulare, kein ermittlungsverfahren o.ä. gegen mich – just for fun, erzieherische massnahme sozusagen…
solche dinger (schläge, demütigungen, diebstahl, nicht aufnehmen von anzeigen, uswusf) zog sich durch mein ganzes leben, mit dem höhepunkt eines “spiessrutenlaufs” in handschellen…
genau, handschellen aufm rücken und 10 bis 15 bullen dreschen auf dich ein bis du dich nicht mehr rührst! nachdem sich die herren beamten “befriedigt” hatten, gings wieder per fusstritt durch die tür und passanten brachten mich ins krankenhaus (jochbein prellungen, aufgeplatze lippen, dicke augen, gebrochene nase, angebrochene rippen, hämatome am ganzen körper, abschürfungen von den handschellen am handgelenk,…). da das ganze noch nicht reichte, wurde natürlich anzeige gegen mich erstellt (beleidigung, widerstand, sachbeschädigung an staatseigentum (beulen von meinem kopf im auto!) und körperverletzung gegen polizeibeamten (aufgeschlagene knöchel der rechten (schlag)hand!),…)
die bullen haben narrenfreiheit, das war schon immer so und das wird auch so bleiben! “schön” das durch die FsA demo auch andere menschen sowas mal mit und abbekommen haben und vor allem, das es diesmal ein grosses mediales echo gibt!
kopf hoch! wird schon wieder, immerhin keine bleibenden schäden
15. September 2009 @ 15:52
Hammer!
Aber kurz noch kluggeschissen:
Ein Leatherman (ich hab das Wave) fällt unter das Waffengesetz (§42a glaub ich), weil es eine Einhandklinge hat (daher ist die Klingenlänge egal). Daher ist das führen in der Öffentlichkeit verboten. Ist normalerweise kein Problem, wenn man unter normalen Umständen damit rumläuft.
Auf ‘ner Demo sind die da wahrscheinlich pingeliger, was ich auch verstehen kann.
Aber das kann man dem unbescholtenen Bürger ja mal sagen. So’n Aufriss ist echt ein Unding!
Ich hoffe, der Anwalt kann was erreichen.
15. September 2009 @ 15:53
Krank, wirklich krank und schlimm. Halt uns bitte up2date was die weiteren Vorgänge mit deinem Rechtsanwalt angeht. Werde bei den Piraten mal anstoßen, ob wir nicht eine AG-Grundrechtsverletzungen bilden die sowas protokolliert und mitverfolgt, um dann in regelmäßigen Abständen Berichte zu erstellen wie solche Sachen ausgegangen sind. Sowas darf nicht im Sande verlaufen.
Gruß
Felix
15. September 2009 @ 17:02
Du hast mein vollstes Beileid. Dieses Ereigniss zeigt wie nötig der Widerstand gegen einen Überwachungs- oder Präventivstaat wirklich ist.
Meinen Respekt für das Erzählen deines Erlebnisses – ich wäre an deiner Stelle (auch) total ge- und zerstört gewesen.
15. September 2009 @ 17:03
Ähnliches hin- und hergeschubse von Leuten die alle nur Anweisungen Folge leisten kenne ich noch aus meiner Zivizeit, als sich herausstellte dass meine Dienststelle mich illegalerweise beschäftigte. Da war ich auch mit den Nerven am Ende. Aber da wurde ich wenigstens nicht wie ein Verbrecher behandelt. Der Vorgang war wirklich schrecklich bei dir, du solltest damit wenn möglich eine größere Öffentlichkeit suchen als nur einen Blogeintrag.
15. September 2009 @ 17:04
Unglaublich. Absolut unglaublich. Danke für die Schilderung. Kann gar nicht fassen, dass so etwas möglich ist. Bin gespannt, was da noch ‘rauskommt.
15. September 2009 @ 17:11
Was mich wirklich wundert ist die Naivität, die hier hochkommt, nicht nur bei dem Betroffenen (Sorry, tut mir echt leid was dir passiert ist, soll nicht so rüberkommen als ob ich das nicht ernst nehme!) , auch bei den Leuten, die das plötzlich wahrnehmen. Die Polizei macht das seit Jahren, bei Demonstrationen, Fußballspielen, gegen Ausländer und Minderheiten, eben allen denen sie sich gegenüber überlegen meinen. Aber da geht es ja gegen Leute, die eh keiner haben will, im besten Fall sind das Chaoten und da ist es auch in Ordnung, dass sie mal paar drauf kriegen. Oder es sind Kriminelle, da ist es erst recht in Ordnung. So vertraten es bisher die Medien und und auch ein großteil der Bevölkerung. Dass das jetzt endlich mal in den Medien hochkommt ist großartig, man kann nur hoffen, dass die weite Verbreitung von Handykameras und der Möglichkeit Aufnahmen in’s Netz zu stellen, exzessiv genutzt wird.
Wichtig ist jetzt nicht locker zu lassen, jeder Fall muss dokumentiert und veröffentlicht werden. Nur so kann der Kreis endlich mal durchbrochen werden. Die Polizei sind nicht immer die Guten, wie immer angenommen wird und damit ist auch nicht per se alles gut, was sie machen, auch wenn sich viele Leute, Politiker und auch Polizisten reflexhaft vor jede Tat eines Polizisten stellen. Es gibt jede Menge Polizisten, die eher in die Kreise der Hooligans gehören als in eine Uniform. Manchmal hab ich den Eindruck, dass die Polizei einfach nur eine Gewaltfraktion ist, von denen einige den Verkehr vor der Demo oder beim Fußballspiel regeln und der Rest nur auf “Fun” aus ist. Mir ist es schon passiert, dass sich Polizeibeamte nach einem Einsatz gegenseitig ihre Handyfotos gezeigt haben und gegenseitig geprotzt haben, wie viele Leute sie umgehauen haben. Ich hab auch schon erlebt bei Demos, dass Festgenommene nochmal verprügelt wurden, obwohl sie längst in Handschellen und am Boden waren. Um es kurz zu machen, solche Vorkommnisse sind Alltag bei Polizeieinsätzen und jetzt besteht endlich mal die Chance was zu bewegen, weil es in der Öffentlichkeit ist.
Leider ist es ja so, dass es einfach als unwahr abgestempelt oder rechtfertigt wird, wenn man solche Fälle anbringt, sowohl in den Medien, die es in der Regel nicht interessiert und die maximal die Pressemitteilung der Polizei bringen, als auch bei anderen Polizeibeamten. Letztere neigen sogar dazu solche Sachen gegenüber Verständnis aufzubringen oder es gar gut zu heissen, statt gegen die faulen Eier im eigenen Nest vorzugehen. So können sich die Hooligans in den eigenen Reihen sicher sein, dass ihnen nichts passiert, dazu kommt die Anhäufung von Macht, die sie durch ihren Job so schon haben und das Ergebnis sind die Exzesse, wie man sie fast wöchentlich irgendwo beobachten kann.
Nur mal noch ein paar ähnliche Videos der vergangenen Jahre, die keinen interessiert haben. Einfach mal “Polizeigewalt” bei Youtube eingeben und der Abend ist gerettet:
http://www.youtube.com/watch?v=GV1eExR9TJM
http://www.youtube.com/watch?v=UGy5RAdcBfc
http://www.youtube.com/watch?v=OcnSd4vHDTA
http://www.youtube.com/watch?v=BhJ7voSTpCo
15. September 2009 @ 17:44
“Deine Festnahme war rechtmäßig. Es ist verboten Waffen zu einer Demo mitzubringen (sogar Glasflaschen und Dosen waren verboten).”
Mag ja sein, und ist wohl auch so. Aber inwiefern rechtfertigt das die Festnahme?
Und war das eine präventive oder eine repressive Maßnahme?
15. September 2009 @ 18:04
Wegen Zivistelle: Mich wollte auf eine Beschwerde hin der Mann aus der “Zivildienstgruppe” (untere Verwaltungsebene des BAZ) versetzen, sozusagen als Disziplinarmaßnahme.
Der Petitionsausschuß des Bundestages fand das überhaupt nicht witzig und hat die Zusicherung eingeholt, daß der Petent (also ich) bis auf weiteres ohne seine Zustimmung nicht versetzt wird.
15. September 2009 @ 18:07
Sei froh, dass du so schnell wieder raus gekommen bist. Mich haben sie mal 12 1/2 Stunden eingesperrt weil ich einen Schal und einen Edding dabei hatte,,,
Ansonsten kann ich A.H. nur zustimmen!
15. September 2009 @ 18:53
Bestrafe einen, diszipliniere Hunderte. (Mao)
15. September 2009 @ 19:07
Natürlich ist das Scheisse, was dir passiert ist. Allerdings muss man sagen, dass es im Vergleich nicht allzu ungewöhnlich war. Immerhin haben die Beamten dich noch mit Respekt behandelt, es gibt auch schlimmeres als sechs Stunden in der Zelle.
Ich muss A.H. ebenfalls zustimmen, eine gewisse naivität ist schon bemerkbar… man nimmt nunmal auch nicht seinen gesamten Rucksack mit auf eine Demo.
15. September 2009 @ 20:13
So Manches “Polizei-Bashing”, insbesondere im Rahmen von Demos, kommt mir übertrieben und unglaubwürdig, teilweise sogar albern vor.
Deine Geschichte wirkt unübertrieben und ehrlich. Vom Lesen eine Gänsehaut bekommen.
15. September 2009 @ 20:16
Mit Verlaub, aber war es nicht reichlich naiv der Polizei überhaupt erst zu gestatten den Rucksack zu durchsuchen – brauchen die dafür nicht einen begründeten Verdacht – und dann noch extra auf den Leatherman mit Klinge hinzuweisen? Ich hoffe zumindest, daß nicht nur der Betroffene sondern auch alle Mitleser daraus eine Lektion ziehen, nämlich daß “unschuldig sein” bei einer Demonstration nicht im Geringensten vor Repressionen schützt und zweitens, daß mehr als das juristische zu rechtfertigende absolute Minimum an Kooperation lediglich zu Problemen führt.
15. September 2009 @ 20:20
Gruselig.
Genau dagegen hast Du demonstrieren wollen, und genau das ist Dir dann passiert.
Einfach nur unheimlich. Das ist einfach Gängelung, Repression und Einschüchterung, sonst nichts. Und da die Befehle “von Oben” kamen, muss da oben entweder noch mehr geballte Inkompezenz sitzen, oder beben das, was ich so langsam befürchte – Bosheit.
15. September 2009 @ 20:21
Das ist Wahnsinn! Das war wohl eher Angst statt Freiheit für dich.
Deine Story hat mich ein bisschen an Cory Doctorow: Little Brother erinnert, nur ohne Waterboarding.
15. September 2009 @ 21:28
Furchtbar was dir passiert ist. Aber so läuft das womöglich täglich -.-
Der Artikel liest sich im übrigen gut also unübertrieben und genau richtig gemixt.
Die Polizei dein Feind und Hospital-einweißer… Mannmannmann.
Hoffen wir das die Pressen endlich mal hinnemachen und Wahrheiten publizieren.
Was anderes bleibt uns wohl leider nicht.
15. September 2009 @ 21:39
Furchtbar was dir passiert ist. Aber so läuft das womöglich täglich -.-
Der Artikel liest sich im übrigen gut also unübertrieben und genau richtig gemixt.
Die Polizei dein Feind und Hospital-einweißer… Mannmannmann.
Hoffen wir das die Pressen endlich mal hinnemachen und Wahrheiten publizieren.
Was anderes bleibt uns wohl leider nicht.
Doch:
Am 27. September Piratenpartei wählen
15. September 2009 @ 21:39
Sehr begrüßenswert, dass so manchem hier mal die Augen im Hinblick darauf, wie die Exekutive so arbeitet, geöffnet werden – auch wenns hier zu Lasten des Autors geht.
Andererseits war es von dir ein grundlegender Fehler, mehr als deinen Ausweis und meinetwegen noch die Plastikwasserflasche mit zur Demo zu nehmen.
Und noch was für die Zukunft: Niemals irgendetwas unterschreiben, was dir von der Polizei vorgelegt wird. Ebenso wäre ich sehr vorsichtig mit jeder Art von Auskunft gegenüber den Beamten. Im Zweifelsfall lieber jegliche Aussage verweigern (egal was für Horrormärchen sie dir erzählen).
15. September 2009 @ 22:37
Nicht auszudenken, was wohl passiert wäre, wenn du die “Waffe” mit auf der Demo gehabt hättest und dann irgendwann (aus welchen Gründen auch immer) einen Ordnungshüter nach seiner Dienstnummer hättest fragen müssen! Wahrscheinlich wärst du mittlerweile halb tot und in ein paar Monaten zudem noch registrierter Straftäter! zu “Recht” und auch die Statistik dankt. So einfach kanns passieren. Ich weiß gar nicht mehr, woran mich das mehr erinnert: An Kafka oder Adorno.
15. September 2009 @ 23:01
Und ich dachte, sowas soll es seit 1989 in Deutschland nicht mehr geben. Früher hieß sowas Stasimethoden! WEn wählt man denn da jetzt? Welche Legislative kann diese Exekutive noch zähmen?
15. September 2009 @ 23:12
Dunehopper: Die Leathermans, die ich kenne, sind keine Einhandmesser. Also auch kein WaffG. Zum Vergleich hier ein Auszug aus Anlage 1 zum WaffG:
“Messer,
2.1.1
deren Klingen auf Knopf- oder Hebeldruck hervorschnellen und hierdurch oder beim Loslassen der Sperrvorrichtung festgestellt werden können (Springmesser),
2.1.2
deren Klingen beim Lösen einer Sperrvorrichtung durch ihre Schwerkraft oder durch eine Schleuderbewegung aus dem Griff hervorschnellen und selbsttätig oder beim Loslassen der Sperrvorrichtung festgestellt werden (Fallmesser),
2.1.3
mit einem quer zur feststehenden oder feststellbaren Klinge verlaufenden Griff, die bestimmungsgemäß in der geschlossenen Faust geführt oder eingesetzt werden (Faustmesser),
2.1.4
Faltmesser mit zweigeteilten, schwenkbaren Griffen (Butterflymesser),”
Da fällt das Multitool gerade nicht drunter.
15. September 2009 @ 23:34
Sorry, was Dir passiert ist, aber die Geschichte ist auch super spannend.
15. September 2009 @ 23:37
Du bist doch ein Mädchen oder ?
15. September 2009 @ 23:42
Heftig. Vor der nächsten Demo sollte man von Veranstalterseite unbedingt verbreiten, was bei Demos zu beachten ist, um diesem korrupten Polizeiaparat keinen Vorwand zu liefern. Mir hätte das auch passieren können, da ich fast immer ein Schweizer Taschenmesser in der Hosentasche habe. Kopf hoch!
15. September 2009 @ 23:45
Meiner Meinung nach warst du aufgrund dieser Webseite bereits in einer DB der Landeskriminalämter und Sie wollten einfach noch ein Bild und deine Fingerabdrücke haben. Man kann ja nie wissen wozu man sie später mal gebrauchen könnte ….
15. September 2009 @ 23:53
Ich glaub das einfach nicht.
Du willigst ein, dass er das Tool mitnehmen darf und kurz darauf wirst du verhaftet?
Wo leben wir denn..
16. September 2009 @ 00:03
das ist aber echt harter tobak
deine schilderungen sind echt erschütternd, dass so auf deiner würde rumgetreten wurde ist ein unding!
mach das irgendwie öffentlich, vielleicht in einer tageszeitung!
16. September 2009 @ 00:08
Herzliches Beileid. Was ne Scheisse und gut, dass du damit so offen umgehst. Viele Linke regen sich über so etwas kaum mehr auf, weil sie es zum einen fast schon gewohnt sind und zum anderen von der Polizei garnichts anderes erwarten. da fehlt es oft schon an der Erkenntnis, das so etwas auch in diesem Staat immer noch ein Skandal ist.
Nur ganz grundsätzlich für alle, die ähnliches erleben: Lasst euch nicht einfach erkennungsdienstlich behandeln. Das ist die Vorschrift, nach der das durchgeführt wird (es sei denn, ihr werdet nach einer Verurteilung zur ED-Behandlung vorgeladen):
§ 81b StPO
Soweit es für die Zwecke der Durchführung des Strafverfahrens oder für die Zwecke des Erkennungsdienstes notwendig ist, dürfen Lichtbilder und Fingerabdrücke des Beschuldigten auch gegen seinen Willen aufgenommen und Messungen und ähnliche Maßnahmen an ihm vorgenommen werden.
Im vorliegenden Fall war es für den “Zweck des Strafverfahrens”, also die Feststellung, dass der Betroffene ein Messer auf dem Weg zu einer Versammlung bei sich trug, in keiner Weise nötig, ihm die Fingerabdrücke abzunehmen und Fotos zu machen. Darauf gilt es in solchen Fällen hinzuweisen. Euch zu zwingen beim Fotografieren keine Grimassen zu machen oder die Augen offen zu halten ist eh unmöglich.
16. September 2009 @ 00:21
Erinnert mich an eine Demonstration(war wegen Studiengebühren soweit ich mich erinnere) in Frankfurt am Main vor 4-5 Jahren wir waren zu 4t (mit 2 Damen) auf dem weg nach Hause. Der Kollege hatte noch ein “Ausroll-”Banner halb aus seinem Rucksack rausgucken gehabt was wohl zu den folgenden ereignissen führte. Wir unterhielten uns während dem laufen als plötzlich 3 Einsatzwägen neben uns hielten und wir von Beamten …erst umzingelt und ohne widerstand zu leisten auseinander getrieben wurden so dass wir einander nicht sehen konnten. Wir wurden (anscheinend jeder) kontrolliert und Erkennungsdienstlich behandelt…als ich danach die beiden Freundinnen und den bekannten wiedersah und die Beamten grad am abziehn waren, ham wir gesehen dass die Beamten den Kollegen mit dem Banner im Rucksack richtig durchgenommen ham (Nasenbeinbruch, Platzwunde am Kopf usw…) Ich wollte einen Beamten am einsteigen hindern und erfragen wo ich für solches verhalten anzeige erstatten könne, die antwort des Beamten war ein hieb in mein Gesicht und die mitteilung dass ich jetzt wohl eh Post von der Staatsanwaltschaft erwarten könne…Anzeige wegen widerstand gegen die Staatsgewalt… kam zwar nie vor Gericht aber denke wenns soweit gekommen wäre hätten da mind 10-20 Polizeibeamte gestanden welche als Zeugen auf seiten der Polizei gestanden und die für ihre “Kollegen” ausgesagt hätten….
oder ein anderes bsp.
bei nem bekannten kam die Polizei öfters vorbei haben nie was gefunden …zu hochzeiten waren die 3-4 im Monat bei ihm(Marrokaner/Student…aber Clean und wirklich ein lieber Kerl gewesen bis…) …eines Tages kamen die Plötzlich nach einer angeordneten HD mit nem Tütchen Cannabis auf ihn zu selbst mit mehreren Drogentestes, Zeugen usw die bestätigten dass er nie (bzw di etestes das er zu dem moment über nen längeren zeitraum nichts genommen hatte…) er bekam trotzdem 2 jahre auf bewährung… mein fazit aus den ganzen geschehnissen wenn sie WOLLEN bringen sie euch schneller in die scheiße als jeder vollegsoffene halbstarke in der Pubertät mit minderwertigkeitskomplexen… ka in meiner Jugend ham wir uns von solchen Leuten einfach komplett distanziert…vllt sollte man sowas heute auch ma anfangen^^
16. September 2009 @ 00:41
erschreckende geschichte. sehr gut, dass du damit an die öffentlichkeit gehst und so genau beschreibst, wie dir geschah.
diese ungewissheit darüber, was überhaupt los ist, was dir vorgeworfen wird, wann du wieder raus kommst etc. erinnert mich an meinen eigenen fall, der gerade vor dem landgericht rostock verhandelt wurde: http://www.antischokke.de/2009/09/14/g8-verfahren-wird-gegen-bussgeld-eingestellt/
halte durch, lass dich nicht unterkriegen!
16. September 2009 @ 00:58
echt ne krasse Geschichte. Ich hoffe, dass dein Anwalt das für dich regeln kann. Aber es würde mich auch nicht mehr wundern wenn dieses Vorgehen am Ende noch legal wäre. Unfassbar!
16. September 2009 @ 01:28
“Vor der nächsten Demo sollte man von Veranstalterseite unbedingt verbreiten, was bei Demos zu beachten ist, um diesem korrupten Polizeiaparat keinen Vorwand zu liefern.”
Der Auflagenbescheid war auf Netzpolitik.org veröffentlicht. Man muß sich halt auch informieren.
16. September 2009 @ 01:30
Ich finde es wichtig, das du diesen Sachverhalt aufgeschrieben hast. Es hat dir vielleicht auch ein bischen geholfen , das was vorgefallen ist zu verarbeiten und reflektieren zu können. Eine Dokumentation ist ebenfalls wichtig, sollange im Internet noch keine Zensur stattfindet. Alles ist Möglich.
16. September 2009 @ 01:46
Vielen Dank für deinen Bericht. Leider sind kafkaeske und orwellsche Situationen wie du sie schilderst und wie sie in dem Video mit dem “Radfahrer” zu sehen sind Alltag. So außergewöhnlich die Situation für dich persönlich war, so gewöhnlich ist sie im Polizeialltag.
Sicher gibt es nette Polizisten und denen bist du selbst bei deinem Erlebnis begegnet. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass die unangemessene Gewalt wie du und der “Radfahrer” sie auf der FSA, einer eigentlich von allen Seiten sehr friedlichen Demo, erlebt habt ein Problem mit einzelnen Polizisten ist.
Polizeigewalt ist ein strukturelles Problem!
Ich hoffe, dass dies anhand solcher Schilderungen und Dokumentationen auch bei den Piraten bzw. im bürgerlichen Spektrum ankommt und man sich zukünftig offen informiert bevor solche Schilderungen entweder als unglaubwürdig, als von Chaoten provoziert oder notfalls als Problem mit einzelnen “überengagierten” Polizisten abtut.
16. September 2009 @ 02:24
Die ganze Story ist für Jemanden, der wenig Erfahrung mit der Polizei hat (klingt bei dir so), mächtig übel.
Das mit dem Trinken verweigern,
keiner weiß warum man hier eingesperrt ist,
von oben herab mit einem sprechen,
seltsame Fingerzeig- Gymnastik gegenüber einem,
die Rechte nicht vorlesen,
den Grund der Festnahme nicht nennen,
7 Stunden in der Zelle hocken lassen,
Handschellen so fest zusammendrücken,
das der Daumennerv 6 Wochen ein taubes Gefühl hinterlässt…
Ja, das kenne ich auch. Das gibt es in unserer “netten” Stadt auch.
Machen kann man da gar nichts: Keine Zeugen. So einfach ist das. Glück für den, der gefilmt oder beobachtet wird.
Ich wünsche dir alles Gute und lass den Kopf nicht hängen.
16. September 2009 @ 03:04
und deswegen linkspartei wählen.
(dank der linkspartei gibbet in berlin überhaubt erst einen polizeidirektor der sich für nummernschilder der polizei einsetzt)
die piraten partei besteht neben den fortschritlichen ak vorrat aus neoliberalen jung arschlöchern (siehe piraten aus kassel)
16. September 2009 @ 04:58
Hier wird aus der Exekutive eine willkürliche. Hier entsteht der Eindruck, dich von der Demonstration fernhalten zu wollen, mit ungerechtfertigten bis gar keinen Anschuldigungen. Wenn die Maschine einmal läuft, dann ist sie offenbar nicht mehr aufzuhalten. Fraglich ob du Dein Messer jemals zurück bekommst, ich hoffe nur das du genug Energie hast, die zu wehren.
16. September 2009 @ 10:27
ohhh…. musste det kleenes mädchen heulen? junge, das is mit abstand des peinlichste was ich im i-net inner letzten zeit sooo gelesen hab. aber doch recht unterhaltsam… bestätigt mein vorurteile, die ich gegen die “piraten” hege… kleine peinliche feminine nerds mit NULL ahnung von politik für die man sich fremdschämen müsste, wenn sie die fremdschäm-kapazität nicht schon gesprengt hätten.
16. September 2009 @ 11:03
Dem muss ich mich anschließen. Sehr heftige Geschichte. Ich finde es gut, dass Du mit dieser Sache an die Öffentlichkeit gegangen bist.
16. September 2009 @ 11:24
Eigentlich setzt eine gewisse Grundintelligenz voraus, dass man kein “Tool” inklu. Messerfunktion mit zu einer Demo nimmt. Im Endeffekt wurdest du für deine eigene Naivität bestraft. Ohne dein Tool hättest du in Frieden demonstrieren und wieder nach Hause gehen dürfen. So ist es nunmal halt ein bischen anders gelaufen für dich.
Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde. Ich möchte hier nicht die Polizei verteidigen die an solchen Tagen, dick gepolstert, mal ihre innersten Triebe ausleben darf. Ihr dürft nur nicht immer schimpfen sondern müsst euch mal an die eigene Nase packen. Wer beispielsweise mit schwarzem Kapuzenpulli und Sonnenbrille auf so eine Demo geht, oder noch besser mit einem Leatherman Tool im Rucksack braucht sich nicht wundern wenn er zur Zielscheibe wird. Das ist so wie mit einem roten Tuch auf eine Stierweide laufen und sich dann beschweren wenn der Stier einen aufspießt – der folgt auch nur seinem Trieb.
Fazit: Angst statt Freiheit war dir hoffentlich eine Lehre! Jetzt heißt es Tränen abwischen und ein neues Tool kaufen…. für die nächste Demo!
16. September 2009 @ 11:31
Echt schlimm. Traumatisierend.
Ein Gespräch mit Jura-Referentin:
“Ich find es nicht schlimm, wenn die Polizei Menschen durchsucht. Das ist zum Wohle der Gesellschaft. Die Polizei wird keinem Unrecht antun. Ich habe absolutes Vertrauen in unseren Rechtsstaat. blabla”
“Warst noch nie bei so einer Untersuchung, was?”
Gespräch ging um “verdachtsunabhängige” Personenkontrollen vor Moscheen.
16. September 2009 @ 11:34
Und das ist das Problem: die Ausführenden denken gar nicht mehr nach, was sie Person X antun, sondern machen nur. Die Polizisten sind doch alles nur Handpuppen des Staates. Dein bericht ist wirklich erschütternd, festgenommen zu werden obwohl man nichts gemacht hat, nicht zu wissen, was weiter passiert….boah ich könnte mich so dermaßen darüber aufregen!!!!!!!!
16. September 2009 @ 11:44
ich weiß nicht, was mich mehr schockiert. ihre Veröffentlichung oder die zahlreichen bestätigenden Kommentare, dass dieses Vorgehen scheinbar Usus ist.
16. September 2009 @ 11:44
Die Panik kommt trotz des sachlichen Stils extrem gut rüber. Ich konnte nachfühlen, wie beschissen man sich da fühlen muss. Der Finger ist so was von genau in der Wunde platziert. Danke dafür und mein Beileid…
16. September 2009 @ 11:53