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Wikileaks – Cyberwar ?

Ein Gastbeitrag von @zeroskillor

Wikileaks – Cyberwar ?

Das Netz ist in Aufruhr. Alle twittern, mailen, bloggen und schreiben über Wikileaks. Die Piraten bauen Spiegelserver, Paypal und Amazon brechen unter dem Druck der USA zusammen und sperren Wikileaks. Server werden mit DDOS attacken angegriffen.
Was ist da eigentlich los, frag ich mich Linkedin Profile ?

Haben die Regierungen dieser Erde über alle Unterschiede, die sie haben, einen neuen gemeinsamen Feind? Sollen Wikileaks und die freien Menschen im Netz, die Wikileaks unterstützen, die neuen Terroristen des digitalen Zeitalters werden? Wohl eher nicht!

Auch wenn die USA versucht durch verschiedene Mechanismen den Druck auf Wikileaks und die Unterstützer zu erhöhen, erzeugen sie automatisch einen noch größeren gegen Wind. Dieser Wind treibt die Segel der Bürgerrechtsparteien, Aktivisten und freien Menschen im Netz voran.
Die USA versucht durch verschiedene mediale Mechanismen die Menschen abzuhalten mal so eine Depesche zu lesen.
Man hört Dinge wie: Bekommt man keinen Job, wenn man ein “Support Wikileaks” T-Shirt trägt, oder macht man sich strafbar, wenn man sich Daten auf der Webseite anschaut?

All diese Gedanken und Fragen fliegen zur Zeit über die neutralen Datenautobahnen des Netzes. Auch offline wird viel diskutiert, ob Fernsehesendungen oder die Printmedien, kaum ein Tag ohne eine Schlagzeile über Wikileaks. Jedoch möchte ich keine chronologische Geschichte von Wikileaks erzählen, sondern mich einem anderen Thema zu wenden.

Ist die Situation, die gegenwärtig im Netz passiert cyberwar?

Wenn man #cyberwar bei twitter sucht kam in den letzten sechs Monaten immer etwas zu Stuxnet, Operation Aurora, NATO, China, Botnetzen, Rüstungskontrollen und anderen wichtigen Aspekten, die sich mit der Problematik des Cyberwar beschäftigen.

Doch seit ein paar Tagen ist die Timeline voll mit Wikileaks und Cyberwar! Warum frage ich mich! Ich werde versuchen einige Punkte zu erläutern, warum das nicht nur falsch ist, sondern auch noch gefährlich! Vorweg: Es gibt keine genaue Defintion von Cyberwar, aber man sollte diese Wort nicht im Zusammenhang mit Wikileaks heroisieren, denn mit Krieg hat diese Bewegung und ihre Idee nichts zu tun.

  1. Cyberwar ist ein Wort, was sich rein auf staatliche Akteure bezieht!
  2. Cyberwar ist begrenzt auf militärische Interventionen, wie z.B. die Manipulation von Radaranlagen, Drohnen im Falle eines Krieges ( meistens nur als Ergänzung zu konventionellen Waffen).
  3. Cyberwar bezieht sich nur auf militärische Netzwerke und Geräte per Definition.
  4. Es sollte versucht werden die Begriffe kategorisch vom öffentlichen Netz zu trennen, dass ist jedoch durch die große Vernetzungsdichte von militärischen und privaten Netzen nicht immer möglich. Cyberwar und cybercrime verschmilzen hier öfters.
  5. Im Wort Cyberwar steckt das Wort “War=Krieg”, welches nach Bundeszentrale für politische Bildung definiert werden kann als: “Krieg bezeichnet einen organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen Staaten bzw. zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates” – Jetzt könnte man diese Bewegung im Netz als eine soziale Gruppe bezeichnen, jedoch fehlen hier jegliche Parallelen um von einer kriegerischen Handlung sprechen zu können. Das Spiegeln eines Servers oder die Veröffentlichung von diesen Daten widersprechen dem Grundverständnis von einer kriegerischen Handlung. Auch das Wort information warfare ist hier nicht die richtige Wortwahl.
  6. Es ist und bleibt kein Krieg: Jede Begrifflichkeit, die im Zusammenhang mit Wikileaks als Krieg bezeichnet wird ist nach meinem Verständnis falsch, da glücklicher Weise die Bedingungen nicht erfüllt werden.
  7. Krieg hat in der Geschichte der Menschheit eine sehr negative Konnotation, welche sich nicht auf die jetzige Situation übertragen lässt.
  8. Auch das Wort Cyber-Terrorismus ist bis jetzt noch nicht öffentlich von den USA oder anderen Staaten im Zusammenhang mit Wikileaks benutzt worden, sondern nur von Einzelnen. Denn wenn Wikileaks als eine terroristische Organisation eingestuft wird und dies von anderen Ländern akzeptiert wird, dann werden wir im Netz ein großes Problem haben. Denn hier können ganz andere Staatsorgane mit rechtlicher Absicherung agieren. Deswegen sollte dies Wortwahl mit großer Sorgfalt überdacht werden.

Wikileaks ist die logische Konsequenz aus einem freien und neutralen Netz, in dem der Bürger selbst entscheiden kann, wie er seine Informationen filtert und bearbeitet. Ich brauche meine Bürgerrechte nicht abgeben um etwas für Wikileaks zu machen. Ich möchte meinen NICHT- Kombattanten Status behalten, damit ich als freier Bürger nach dem Willen unseres GG nach bestem Wissen und Gewissen handeln kann.

Die romantische Vorstellung des idealistischen Netzaktivisten, der bewaffnet mit seinem Notebook, die Meinungsfreiheit und Informationsfreiheit bewahren will, empfinden ich als tolle Piratenromantik des 21.Jh. . Jedoch sollten wir uns nicht unsere eigenen Möglichkeiten verbauen, indem wir falsche Worte für unsere Arbeit benutzen.

” WE COME IN PEACE ” — Übrigens das Motto der diesjährigen 27c3 des CCC. Find ich irgendwie cooler!

Der Author

Florian Grunert ist Student der Politikwissenschaften und der Philosophie. Er beschäftigt sich langem mit dem Thema Cyberwar und betreibt die Webseite study4cyberwar. Ausserdem ist er in Münster als Mitglied der Piratenpartei aktiv.

Kontaktieren könnt ihr ihn hier:

Florian Grunert:
www.study4cyberwar.com
twitter: zeroskillor
mail: fgrunert@uni-osnabrueck.de